Pankreaskarzinom
Wo liegt die Bauchspeicheldrüse?
Wie funktioniert die Bauchspeicheldrüse?
Wo kommt der Bauchspeicheldrüsenkrebs
vor?
Wie kann ich eine bösartige Erkrankung
der Bauchspeicheldrüse erkennen?
Wie wird ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom
behandelt?
Was geschieht nach der Operation?
Auf was muss im Alltag geachtet
werden?
Historisches
Bauchspeicheldrüsenkrebs
Wo liegt die Bauchspeicheldrüse?
Die Bauchspeicheldrüse, auch Pankreas genannt, ist ein
15 Zentimeter langes, schlankes und filigranes Drüsenorgan,
welches quer im Oberbauch liegt und in seiner Form einem
Spazierstock mit dickem Griff ähnlich sieht. Nimmt man die
Wirbelsäule als Körpermitte, dann liegt der dicke Griff
(Pankreaskopf) rechts von und vor der Wirbelsäule. Der Pankreaskörper
zieht nach links, an der Wirbelsäule vorbei, und geht in
den Pankreasschwanz hinüber. Zum Glück liegt dieses zarte
Organ, wie in einem dicken "Sandwich" eingebettet, in unserem
Oberbauch. Ganz hinten liegt die knöcherne Wirbelsäule;
auf dieser ziehen die grossen Blutgefässe (Schlagader
und Vene) entlang und unterkreuzen den Kopf des Pankreas.
Nach vorne wird die Bauchspeicheldrüse vom Magen bedeckt,
rechts werden der Pankreaskopf vom Zwölffingerdarm und links
der Pankreasschwanz von der Milz eingeschlossen. Das Pankreasgewebe
selbst wird aus vielen kleinen zarten Läppchen gebildet,
die wiederum aus Drüsenzellen bestehen. Deren Ausgänge
sammeln sich und münden schliesslich im Hauptgang, dem
Ductus Wirsungianus, der die Bauchspeicheldrüse horizontal
durchzieht und, gemeinsam mit dem grossen Gallengang,
im Zwölffingerdarm endet.
Wie funktioniert die Bauchspeicheldrüse?
Dieses hoch komplexe Organ könnte man gut mit einer "chemischen
Fabrik" vergleichen, die mit zwei verschiedenen Drüsenarten
sieben unterschiedliche Substanzen (Hormone und Enzyme)
herstellt. Der grösste Anteil des Gewebes besteht aus
den Drüsen, die einen laugenartigen Verdauungssaft produzieren
(1,5 Liter pro Tag). Dieser Saft enthält Enzyme und fliesst
über den Ductus Wirsungianus in den Zwölffingerdarm,
um die aufgenommenen Speisen in Fette, Eiweisse und Kohlenhydrate
zu spalten. Verstreut in dieses Gewebe eingelagert ist
der andere Drüsentyp, die Langerhans-Inseln, die das lebenswichtige
Hormon Insulin produzieren, welches unseren Blutzuckerspiegel
reguliert. Bei einer ernsthaften Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
mit gestörter Drüsentätigkeit kann es deshalb zu folgenden
Symptomen beim Patienten kommen:
- Der Verdauungssaft fehlt, somit kommt es zu Vitaminmangel, Gewichtsverlust und Fettstühlen, da die aufgenommene Nahrung nicht mehr zerlegt werden kann.
- Es wird weniger Insulin produziert, der Blutzuckerspiegel kann nicht mehr adäquat reguliert werden, und der Patient gerät in eine diabetische Stoffwechsellage.
Wo kommt der Bauchspeicheldrüsenkrebs vor?
Die genauen Ursachen des Pankreaskarzinoms sind heute noch
weitgehend unbekannt. Es gibt Vermutungen, dass es einen
genetischen Grund dafür gibt, einen solchen Tumor zu entwickeln,
allerdings gelten das Rauchen sowie fett- und eiweissreiche
Ernährung auch als Risikofaktoren. Die Hauptbedeutung kommt
dem Karzinom des Drüsenausführungsganges zu. Es entsteht
aus dessen Schleimhautzellen und macht 80% der Pankreastumoren
aus. Der überwiegende Anteil der Karzinome findet sich
im Bauchspeicheldrüsenkopf. Selten, aber für den Krankheitsverlauf
sehr wichtig, werden bösartige Tumore gefunden, die von
den Inselzellen ausgehen, oder so genannte neuroendokrine
Tumore, die aus einer Mischung von hormonproduzierenden
Zellen bestehen. Wichtig zu erwähnen sind schliesslich
Karzinome, die von der Papille ausgehen, dem gemeinsamen
Einmündungsgang von Gallen- und Bauchspeicheldrüsengang
in den Zwölffingerdarm, und sozusagen im "Grenzgebiet" von
Pankreas, Gallengängen und Zwölffingerdarm entstehen.
Wie kann ich eine bösartige Erkrankung der Bauchspeicheldrüse
erkennen?
Leider verursacht der Bauchspeicheldrüsenkrebs wenige
und sehr uncharakteristische Beschwerden. Das liegt
daran, dass die Bauchspeicheldrüse tief eingebettet zwischen
anderen Organen liegt, so dass der Tumor nicht ertastet
werden kann und deshalb die Erkrankung bei Diagnose oft
ziemlich weit fortgeschritten ist. Am häufigsten beobachten
die Patienten unspezifische Beschwerden, die bei vielen
Magen-Darmerkrankungen vorkommen können: Völlegefühl,
Übelkeit, Nahrungsmittelunverträglichkeit, Abgeschlagenheit
und Gewichtsverlust. Etwas mehr Hinweise auf die Krankheit
liefern gelegentlich uncharakteristische Schmerzen im
Oberbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen können.
Liegt der Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse, kann durch
die Raumforderung auch der Hauptgallengang zugedrückt und
der Gallenabfluss gestört werden. Die Galle enthält Gallenfarbstoffe,
die bei einem Aufstau ins Blut übertreten. Dies führt
zu Juckreiz der Haut, Gelbfärbung der Augen, hellem Stuhl
und dunklem Urin. Leider bestehen für diese Krankheit keine
Abklärungen, Untersuchungen oder bildgebende Verfahren,
die den Tumor sicher zu bestätigen oder auszuschliessen
vermögen. So muss der Arzt, über die genaue Befragung des
Patienten und über die weiterführende Diagnostik, das
Pankreaskarzinom von der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung
und von anderen Magen-Darmerkrankungen abgrenzen. Dazu gehören
Fragen nach Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum, Gewichtsabnahme
und Oberbauchschmerzen. Die körperliche Untersuchung beinhaltet
vor allem das Abtasten des Oberbauches mit einer Beurteilung
von Gallenblase und Leber. Manchmal lässt sich eine stark
vergrösserte, aber schmerzfreie Gallenblase tasten.
Man spricht hier vom so genannten Courvoisier Zeichen, welches
einen Hinweis auf einen Tumor geben kann. Laborchemisch
wird man die Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwerte erfassen
sowie die Tumormarker CEA und CA 19-9 bestimmen. Sie sind
in fortgeschrittenem Stadium der Krankheit erhöht, aber
leider nicht nur charakteristisch für diesen Tumor. Sicherlich
wird man einen Ultraschall des Oberbauches durchführen.
Damit kann man Raumforderungen im Bereich der Bauchspeicheldrüse
sehen und erweiterte oder gestaute Gallen- und Pankreasgänge
sowie Veränderungen des Lebergewebes beurteilen. Danach
wird die weitere Diagnostik ganz individuell erfolgen. Ein
CT oder MRI kann Pankreastumoren ab einer Grösse von einem
Zentimeter gut nachweisen und Lymphknotenveränderungen
sowie ein organüberschreitendes Wachstum zeigen. Bei
einem Verdacht auf papillennahe Tumoren (Zusammenfluss
von Pankreas- und Gallengang) wird man sich endoskopischer
Methoden bedienen (ERCP), um Abflussstörungen zu beurteilen,
Gänge darzustellen und Gewebeproben (Bürstenzytologie)
zu entnehmen.
Wie wird ein Bauchspeicheldrüsenkarzinom behandelt?
Bestätigen die diagnostischen Verfahren ein Karzinom des Pankreas oder ergeben diese einen dringenden Verdacht, ohne dass es einen Hinweis auf Ableger (Metastasen) gibt, wird der Tumor bei operablen Patienten operativ entfernt. Bei jedem begründeten Verdacht auf das Vorliegen eines Karzinoms muss im Rahmen einer Operation der Befund erst durch eine Gewebeprobe überprüft werden. Bei positivem Resultat muss die geeignete Operation durchgeführt werden. Hat man während der diagnostischen Verfahren bereits Tumorableger gefunden, wird man zwar den Tumor an sich nicht mehr entfernen können, es muss aber gegebenenfalls operativ eine neue Abflussmöglichkeit für Magen und Gallenwege in den Dünndarm geschaffen werden. Findet man bereits einen weit fortgeschrittenen Tumor vor, so kann versucht werden, diesen mittels Chemotherapie noch im Wachstum zu bremsen.
Die klassische chirurgische Behandlungsmöglichkeit bei
einem operablen Tumor im Kopf besteht aus der Duodenopankreatektomie
nach Kausch Whipple: Der Pankreaskopf, der Magenausgang,
der Zwölffingerdarm, die Gallenwege und die Gallenblase
werden radikal entfernt und die Abflusswege über den Dünndarm
wiederhergestellt. Diese Operation wurde lange Jahre als
sehr gefährlich und wenig erfolgreich beurteilt. Heute
haben Fortschritte der Chirurgie, moderne Anästhesieverfahren
und eine hervorragende wie auch zukunftsgerichtete Intensivpflege
und Intensivmedizin zu guten Resultaten der Operation
geführt. Auch scheint es heute, als ob der Gesundheitszustand
nach einer solchen Operation zufriedenstellend und den
nicht-operativen Verfahren eher überlegen ist. Die Anzeige
und Durchführung dieser technisch schwierigen Operation
gehört in die Hände eines sehr erfahrenen und hoch spezialisierten
Chirurgen und sollte ausführlich mit dem Patienten, mit
Fachärzten der Gastroenterologie und Onkologie sowie
mit dem Hausarzt besprochen werden.
Der Operationsablauf sei hier kurz beschrieben:
| Der Zugang erfolgt durch einen queren Oberbauchschnitt oder Längsschnitt. (Abb.3) |
| Der Kopf der Bauchspeicheldrüse und der anliegende Zwölffingerdarm werden frei präpariert. (Abb. 4) |
