Ileus
Wo liegen Dünndarm und Dickdarm?
Wie funktionieren Dünndarm und
Dickdarm?
Was ist ein Darmverschluss?
Wie erkenne ich einen Darmverschluss?
Notwendige Abklärungen und diagnostische
Möglichkeiten
Wie wird ein akuter Darmverschluss
behandelt?
Was geschieht nach der Operation?
Was muss im zukünftigen Alltag
beachtet werden?
Historisches
Darmverschluss Dickdarm und Dünndarm
Wo liegen Dünndarm und Dickdarm?
Unser Darm besteht aus mehreren, sehr unterschiedlichen
Abschnitten: Dem kurzen Zwölffingerdarm, der den Speisebrei
direkt aus dem Magen erhält, dem Dünndarm, einem dünnen
"Schlauch", der etwa vier bis fünf Meter lang ist, sowie
dem Dickdarm von ungefähr 1,2 Metern Länge. Die vielen Dünndarmschlingen
sind in der Bauchhöhle relativ frei beweglich und werden,
im Vergleich zum Dickdarm, über diverse Blutgefässe versorgt,
da hier viele Nahrungsbestandteile (Zucker, Eiweisse)
aus der Nahrung direkt ins Blut aufgenommen werden.
Der Dickdarm (Kolon) "umrahmt" die im Mittel- und Unterbauch
verteilten Dünndarmschlingen und wird in verschiedene Abschnitte
unterteilt.
- Der erste Teil des Dickdarmes liegt im rechten Unterbauch, in welchen der Dünndarm so einmündet, dass ein Darmstück von mehreren Zentimetern Länge (Caecum) entsteht, das blind endet und ein dünnes Anhängsel hat, den so genannten Blinddarm oder Wurmfortsatz.
- Oberhalb der Einmündung des Dünndarmes beginnt der aufsteigende Teil des Kolons (Kolon ascendens). Es zieht nach oben, fast bis zur Leber, und beschreibt dann eine Biegung (rechte Kolonflexur).
- Danach folgt der horizontal von rechts nach links im Oberbauch verlaufende Abschnitt des Dickdarmes (Kolon transversum, Querkolon). In Position gehalten wird dieses Stück Dickdarm durch eine "Fettschürze", die mit dem Darm verwachsen ist und "grosses Netz" genannt wird. Unter der Milz im linken Oberbauch angekommen, beschreibt der Dickdarm erneut eine Biegung (linke Kolonflexur).
- Der absteigende Dickdarm zieht in Richtung des linken Unterbauches (Kolon descendens).
- Danach beschreibt der Dickdarm eine S-Kurve und wird als Kolon Sigmoideum, kurz Sigma, bezeichnet. Hier endet der Dickdarm, gefolgt vom letzten Teil, dem Enddarm.
- Der Enddarm (Rektum) ist 16 Zentimeter lang und geht in den After über. In der Mitte dieses "Dickdarmrahmens", unterhalb des Dünndarmes, finden sich, zentral aus der Hauptschlagader entspringend und dann in einer schützenden Gewebeschicht verlaufend, mehrere grosse Blutgefässe, die strahlenförmig zum Kolon und zum Rektum ziehen. Die genaue Kenntnis des Chirurgen darüber, welches Gefäss welchen Darmabschnitt versorgt, ist essentiell für eine gute Dickdarmchirurgie und muss bei komplexen Operationen in diesem Bereich gut bedacht werden.
Wie funktionieren Dünndarm und Dickdarm?
Der im Magen angedaute Nahrungsbrei wird im Zwölffingerdarm
mit Gallensaft und Säften aus der Bauchspeicheldrüse vermengt
und in Bestandteile wie Zucker, Fette und Eiweisse zerlegt.
Die gute Durchblutung des Dünndarmes sorgt dafür, dass diese
"Bausteine" ins Blut aufgenommen und vom Körper weiterverarbeitet
werden können. Alle unverdaulichen Anteile gelangen schliesslich
in den Dickdarm. Dieser entzieht dem noch flüssigen Nahrungsbrei
das Wasser. Wie aber transportiert der Darm den Speisebrei
weiter und wie dickt er diesen zum Schluss ein? Selbst beim
nüchternen Menschen laufen von der Speiseröhre bis zum Enddarm
periodische Wellen über die glatte Muskulatur des Darmes
und halten ihn kontinuierlich in Bewegung, so dass der Speisebrei
weitertransportiert wird. Dabei bewegen sich die Dünndarmschlingen
im Vergleich zum Dickdarm schneller, so dass die Passagezeiten
des Speisebreis im Dünndarm relativ kurz sind. Gleichzeitig
wirkt dieser Mechanismus der schnellen "Beförderung" einer
zu hohen Anzahl von Bakterien entgegen, die natürlicherweise
im Darm vorkommen. Im Dickdarm verweilt der Speisebrei
länger, so dass er in Ruhe durch Wasserentzug eingedickt
werden kann. Dies wird darmmotorisch so erreicht, indem
es hier nicht nur eine Vorwärtsbewegung der Schlingen
gibt, sondern auch eine Rückwärtsbewegung. Gleichzeitig
steigt hier, was völlig normal und erwünscht ist, die Bakterienzahl
im Darm drastisch an. Der gesunde Darm weist verschiedenste
Barrieremechanismen gegen diese Bakterien auf und
produziert bestimmte, fast desinfizierend wirkende
Eiweisse, die sich auf der Schleimhaut befinden. Erkrankungen
wie der Darmverschluss können dieses feinabgestimmte System
empfindlich stören und so zu gravierenden Folgen führen.
Was ist ein Darmverschluss?
Ein Darmverschluss (Ileus) kann sowohl den Dünndarm als
auch den Dickdarm betreffen. Man versteht darunter eine
Passagestörung des Darminhaltes, die in den meisten Fällen
mechanische Ursachen hat. Aber was bedeutet das? Ein Abschnitt
des Dünn- oder Dickdarmes wird von innen oder aussen verlegt,
so dass der Durchlauf des Speisebreis nicht mehr erfolgen
kann. Dieser Verschluss kann komplett (Ileus) oder inkomplett
sein (Subileus). Von innen kann zum Beispiel ein mechanisches
Hindernis durch einen wachsenden Tumor oder durch verschluckte
Gegenstände bei Kindern entstehen. Da der Darm ein weicher
Schlauch ist, kann seine Öffnung auch von aussen zugedrückt
werden. Dies geschieht oft durch bindegewebige Stränge (Briden),
welche die Bauchhöhle durchziehen und in welchen sich der
mobile Dünndarm schnell verfangen kann. Man spricht hier
von einem Bridenileus, der häufig Patienten mit Voroperationen
betrifft, da Operationen grundlegend zur Bildung von Strängen
führen können. Die zweite Form eines mechanischen Ileus
ist der Strangulationsileus, der in der Regel den mobilen
Dünndarm betrifft. Dabei drehen sich die Dünndarmschlingen
sozusagen um die eigene Achse und rufen damit eine Unterbrechung
der Blutzufuhr zum Darm hervor. Die Folge ist eine mangelnde
Versorgung des Darmgewebes mit Sauerstoff sowie eine Passageblockade
für den Nahrungsbrei. Im Weiteren kann sich der Dünndarm
auch in den Bruchsack unterschiedlichster Eingeweidebrüche
klemmen, was ebenfalls einen Ileus zur Folge haben kann.
Der Dickdarm hingegen, an vielen Stellen mit dem Bauchfell
fixiert, ist am häufigsten durch eine Passagestörung betroffen,
die durch einen Tumor hervorgerufen wird, der entweder im
Dickdarm wächst oder von aussen auf ihn drückt. Neben den
jetzt erwähnten mechanischen Ursachen kann auch eine
Lähmung der Darmmuskulatur die Ursache eines Ileus (paralytischer
Ileus) sein. Das heisst, dass die periodische Eigenbewegung
des Darmes zum Erliegen kommt, der Nahrungsbrei nicht weitertransportiert
und die Passage behindert wird. Dies kann bei schweren Stoffwechselstörungen
oder generalisierten bakteriellen Infekten, bei einem
Bauchtrauma wie auch nach grossen Bauchoperationen der
Fall sein. Warum aber ist der Ileus so gefährlich? Es kommt
hier allein durch den Stau des Speisebreis, völlig egal
an welcher Stelle des Darmes und durch welche Ursache
bedingt, zu einer starken Überdehnung der Darmwand. Diese
löst eine Abfolge von Reaktionen im Körper aus, die im Folgenden
geschildert werden sollen und die letztlich zu der gefährlichen
"Ileuskrankheit" führen. Die Überdehnung der Darmwand durch
"Stau" führt zu einer Durchblutungsstörung derselben,
was lokal einen Sauerstoffmangel im Gewebe auslöst. Dadurch
stellt der Darm seine Bewegung ein, was zu einem drastischen
Anstieg der Bakterienzahl führt, die dann bestimmte Gifte
ausscheiden. Nach diesen Ereignissen wird die Darmwand,
wenn man sich diese als "Barriere" vorstellt, in mehrfacher
Hinsicht geschwächt. Es kommt zu einem Flüssigkeitseinstrom
in den Darm und in die Darmwand, wobei das "Wasser" vorher,
im Sinne einer krankhaften Umverteilung, dem Blutgefässsystem
entzogen wird und beim Patienten eine Kreislaufschwäche
bewirkt. Ausserdem können die Gifte der Bakterien nun
die geschwächte Barriere der Darmwand durchdringen, gelangen
in den Kreislauf und lösen dort über komplizierte Mechanismen
ein Schockgeschehen aus, welches weitere Organe, wie zum
Beispiel Nieren oder Lungen, beeinträchtigen kann.
Wie erkenne ich einen Darmverschluss?
"Der Tag begann wie jeder andere. Ich habe gefrühstückt
und bin dann zur Arbeit gefahren. Nach dem Mittagessen
bekam ich plötzlich krampfartige Bauchschmerzen. Die Schmerzen
kamen und vergingen wieder. Im Laufe des Nachmittags konnte
ich nur noch zusammengekrümmt auf meinem Stuhl sitzen.
Mein Chef hat mich dann nach Hause geschickt. Zu Hause angekommen
musste ich mehrmals im Schwall erbrechen. Mein Bauch blähte
sich zunehmend auf und die Schmerzen wurden immer stärker.
Es ging mir nur im Liegen, mit angezogenen Beinen, einwenig
besser. Ein Freund, der mich abends spontan besuchen wollte,
fuhr mich schliesslich umgehend in die Klinik auf die Notfallstation."
Diese Schilderung eines Betroffenen enthält viele Beschwerden,
von denen ein Patient mit drohendem Ileus in der Regel
berichten kann. Kardinalsymptome sind Erbrechen (eventuell
sogar im Schwall) und starke, schubweise, kolikartige
Bauchschmerzen. In vielen Fällen ist der Bauch stark gebläht
und druckschmerzhaft. Je nach dem, in welchem Abschnitt
des Darmes der Verschluss ist, haben die Patienten keinen
Stuhl- oder Windabgang mehr. Eine häufig gestellte Frage
ist, weshalb man krampfartige Koliken bekommt. Sobald der
Darm aus irgendeinem Grund verschlossen ist, versucht er
mit aller Gewalt, gegen dieses Hindernis anzukämpfen.
Dieses Ankämpfen gegen ein Hindernis verursacht die kolikartigen
Schmerzen. Beim paralytischen Ileus dagegen kommt es schnell
zu einer Lähmung des Darmes: "Es wird totenstill im Bauch",
das heisst, dass der Arzt keine Darmgeräusche über sein
Stethoskop mehr hören kann.
Notwendige Abklärungen und diagnostische Möglichkeiten
Je nach dem, welcher Abschnitt des Darmes von einem Verschluss
bedroht ist, können die oben genannten Beschwerden in sehr
unterschiedlicher Ausprägung und Reihenfolge auftreten.
Patienten mit einem Dünndarmileus klagen häufiger über
krampfartige Bauchschmerzen und Erbrechen. Ein Dickdarmileus
bewirkt in der Regel zunächst deutliche Unregelmässigkeiten
des Stuhlganges, bevor Bauchschmerzen auftreten. Deshalb
müssen zunächst, durch eine genaue Befragung des behandelnden
Arztes, andere Krankheitsbilder abgegrenzt werden. Beim
Darmverschluss interessieren primär Aspekte wie der Zeitpunkt,
an dem die Schmerzen begonnen haben, die Art der Schmerzen
(dumpf, stechend, kolikartige Krämpfe), ob der Patient erbrechen
musste und wann er zum letzten Mal Stuhlgang hatte. Ferner
sollte man ihn nach vergangenen Operationen im Bauchraum
(Blinddarmentfernung, Gebärmutterentfernung, Gallenblasenoperation,
sonstige Magen- oder Darmoperationen) und anderen Allgemeinerkrankungen
fragen. Danach folgen weitere Untersuchungen:
- Abtasten des Bauches: Bei der Untersuchung mit den Händen fällt oft ein geblähter, druckschmerzhafter Bauch auf, der sehr schmerzempfindlich ist. Ferner sucht man beim Abtasten des Abdomens nach abnormalen Raumforderungen. Durch leichtes Beklopfen des Bauches mit den Fingern können Luftansammlungen erkannt werden. Ein sehr aussagekräftiger Untersuchungsschritt ist das Abhorchen des Bauches mit einem Stethoskop, um die Darmgeräusche zu beurteilen. Bei einem zunehmenden Darmverschluss können zunächst so genannte "hochgestellte", später auch "klingende" Darmgeräusche gehört werden. Nach längerer Dauer eines mechanischen Ileus und beim Übergang in den paralytischen Ileus sind keine Darmgeräusche mehr hörbar. Die Art und Qualität der Darmgeräusche sind für den Chirurgen ein sehr wichtiges Zeichen für einen Darmverschluss.
- Rektaluntersuchung: Die Untersuchung des Enddarms ist bei allen akut auftretenden Bauchbeschwerden ein Muss. Schmerzen und Blut am Fingerling sind jedoch ziemlich unspezifisch und lassen sich auch bei anderen Darm- und Baucherkrankungen finden.
- Abdomen-Leer-Bild: Die Röntgenaufnahme des Bauches im Stehen und Liegen liefert enorm viele Informationen bezüglich eines Darmverschlusses. Auf den Bildern sucht man nach Flüssigkeitsspiegeln und nach so genannter freier Luft im Bauchraum. Sind solche Spiegel vorhanden, ist dies ein fast sicheres Zeichen für das Vorliegen eines Darmverschlusses. Anhand der Lokalisation der Flüssigkeitsspiegel kann in etwa abgeschätzt werden, an welcher Stelle der Darm verschlossen ist. Ebenfalls ein typisches Zeichen für das Vorliegen eines Darmverschlusses sind so genannte "stehende Darmschlingen". Durch den Verschluss des Darmes sammeln sich Gase vor dem Hindernis an, die Darmschlingen blähen sich auf und vermitteln auf dem Röntgenbild den Eindruck, als würden sie im Bauch stehen.
- Ultraschalluntersuchung: Ein Ultraschall des Abdomens bietet eine schnelle Möglichkeit, wichtige Aussagen zu folgenden Fragen bezüglich der betroffenen Darmschlingen zu machen: Sind sie mit Flüssigkeit gefüllt? Ist die Darmwand verdickt? Gibt es noch eine Eigenbewegung der Darmschlingen?
- Kontrastmittelgabe: Bei Verdacht auf einen Dünndarmileus ohne Strangulation kann die orale Gabe von wasserlöslichem Kontrastmittel versucht werden. Dieses Mittel wirkt auf der einen Seite abführend, auf der anderen Seite kann man nach bestimmten Zeitabschnitten ein Röntgenbild machen um zu sehen, ob die Flüssigkeit in adäquater Zeit bis in den Dickdarm gelaufen ist. Damit kann man den Ort des Verschlusses besser bestimmen.
- Blutuntersuchungen: Eine Blutuntersuchung kann einen gewissen Beitrag zur Ursachenklärung des Darmverschlusses leisten. Hingegen können in den Laborergebnissen lediglich gewisse Ursachen, jedoch nicht der Darmverschluss selbst gesehen werden.
- Computertomographie: Kann mit den oben genannten Untersuchungen die Ursache für den Darmverschluss nicht gefunden werden oder hat man beim Abtasten des Bauches eine Raumforderung getastet, kann zur ergänzenden Diagnostik in bestimmten Fällen zusätzlich eine CT-Untersuchung durchgeführt werden.
Nur in der Zusammenschau von Krankengeschichte und diversen Untersuchungsergebnissen kann sich ein Chirurg die wichtigsten Fragen beantworten: Ist es ein Dünndarm- oder ein Dickdarmverschluss? Ist der Verschluss mechanisch oder paralytisch? Ist er komplett oder partiell? Leidet der Patient unter einer anderen, bisher nicht bekannten Erkrankung (Tumor, Entzündung, Eingeweidebruch)? Muss er den Patienten sofort operieren oder kann unter engmaschiger Kontrolle zugewartet werden?
Wie wird ein akuter Darmverschluss behandelt?
Steht die Diagnose eines akuten Darmverschlusses fest, werden
grundlegende Massnahmen ergriffen, unabhängig davon,
um welche Form des Ileus es sich handelt. Da alle Patienten
unter einer gravierenden Störung ihres Flüssigkeitshaushaltes
leiden, gleichzeitig aber nüchtern bleiben müssen, erhalten
sie zunächst einen grossen venösen Zugang, wobei ein weicher
Kunststoffschlauch durch eine grosse Nadel in ein zentrales
Blutgefäss vorgeschoben wird. Dieser ZVK (zentralvenöser
Katheter) liegt entweder im Bereich des Schlüsselbeines
oder am Hals. Über diesen Katheter erhalten die Patienten
die notwendige Flüssigkeit sowie Spurenelemente und Medikamente
(z.B. Antibiotika). Da die meisten Patienten bereits
erbrochen haben, wird ihnen eine Magensonde gelegt. Es
handelt sich hierbei um einen feinen Plastikschlauch, der
über die Nase via Speiseröhre bis in den Magen vorgeschoben
wird. Damit kann die zurückgestaute Flüssigkeit aus Magen
und Darm in einen Beutel abgeleitet werden. Diese zwei
Massnahmen, Magensonde und Infusion, dienen lediglich zur
Sicherstellung eines stabilen Kreislaufzustandes und haben
keinerlei therapeutische Wirkung bezüglich des Darmverschlusses.
Manchmal müssen auch Patienten mit einer fortgeschrittenen
"Ileuskrankheit" auf der Intensivstation behandelt werden.
Wie geht man also weiter vor? Beim paralytischen Ileus (also
nicht mechanisch) ergreift man oben genannte Massnahmen
und kümmert sich gleichzeitig um die Beseitigung des Grundleidens.
Das Vorgehen ist in diesem Fall eher nicht-operativ, es
sei denn, dass es zu einer massiven Überdehnung des Darmes
kommt. In diesem Fall muss eine spezielle Operation zur
Entlastung des Darmes durchgeführt werden. Und beim mechanischen
Ileus? Der mechanische Ileus ist häufig auf Verwachsungen
im Bauchraum zurückzuführen und betrifft überwiegend
den Dünndarm, da dieser in der Bauchhöhle relativ mobil
ist. Im Bereich des Dickdarmes wird ein mechanischer Verschluss
in den meisten Fällen durch einen Tumor hervorgerufen. In
beiden Situationen sind chirurgische Massnahmen nötig, um
das Passagehindernis zu beseitigen und die Kontinuität des
Darmes wieder herzustellen. Dabei ist bei der Behandlung
von Darmverschlüssen vor allem die offene Operation die
Methode der Wahl. Je nach Zustand des Patienten kann eine
laparoskopische Operation versucht werden. Trotzdem
muss häufig auf die offene Technik umgestiegen werden,
da man das Problem entweder gar nicht richtig sieht oder
die Ursache laparoskopisch nur schwer zu beheben ist. Je
nach dem, an welcher Stelle der Verschluss vermutet wird
(Ober-, Mittel- oder Unterbauch), wird bei der Operation
ein senkrechter Schnitt in der Mitte des Bauches als Zugang
gesetzt. Danach werden in einem zweiten Schritt alle Schichten
der Bauchdecke vorsichtig durchtrennt. Mit mehreren Haken
werden die Schnittränder aufgespannt, so dass der Blick
auf die Bauchorgane frei wird. Jetzt kann der ganze Bauchraum
nach der Ursache des Darmverschlusses abgesucht werden.
Als erstes fallen dem Chirurgen in der Regel die stark geblähten
Darmschlingen vor dem Passagehindernis (Bride oder Tumor)
auf. Hinter dem Verschluss findet sich oft der so genannte
"Hungerdarm". An dieser Stelle ist der Darm völlig leer
und ganz dünn, da hier schon seit längerer Zeit keine Nahrung
mehr durchtransportiert wurde. Hat man die Stelle des Verschlusses
gefunden, ist die Ursache in der Regel klar zu erkennen.
In den allermeisten Fällen sind es einfache Verwachsungen,
die zum Abknicken oder zur Strangulation des Darmes führen.
Die Verwachsungen werden scharf mit einer Schere durchtrennt,
und die Blutungen werden mit einzelnen Stichen gestillt.
Sobald der Darm von Verwachsungen befreit ist, muss seine
Vitalität geprüft werden, das heisst, es muss kontrolliert
werden, ob der Darmabschnitt, der abgeknickt war, noch
"lebt". Bewegt sich der Darm auf Berührung, ist seine
Funktion noch erhalten. Ein weiteres Vitalitätskriterium
ist die Farbe und Blutzirkulation. Sind Farbe und Beweglichkeit
des Darmes nach Lösung der Verwachsungen in Ordnung, kann
der Bauch mit all seinen Schichten wieder verschlossen
werden. Abgeklemmte, schlecht durchblutete Darmabschnitte
verfärben sich blau. Wird der Darm nach Beseitigung der
Verschlussursache nicht mehr schön rosig, muss davon
ausgegangen werden, dass der betreffende Darmabschnitt
bereits abgestorben ist und deshalb entfernt werden muss.
Dabei wird der Darm oberhalb und unterhalb des abgestorbenen
Darmanteils mit einem speziellen Klammernahtgerät durchtrennt
und verschlossen. Es entstehen zwei blinde Enden, die
durch zwei fortlaufende Nähte wieder aneinander gefügt
werden. Es erfolgen dann die Kontrolle auf Bluttrockenheit,
die Einlage von zwei Drainagen und ein schichtweiser Verschluss
der Bauchdecke.
Was geschieht nach der Operation?
In der Regel werden die Patienten nach einer Operation für
ein bis zwei Tage auf der Intensivstation überwacht. Vor
allem die Flüssigkeitszufuhr wird sorgfältig bilanziert
und ständig korrigiert. Der Patient erhält ausreichend Schmerzmittel
und oft eine Antibiotika-Therapie. Eine früher gefürchtete
Komplikation nach der Operation war das Auftreten einer
Leckage an der neuen Darmnaht mit Austritt von Darminhalt
in den Bauchraum. Dies ist zum Glück bei guter chirurgischer
Technik und neuem Fadenmaterial sehr selten geworden.
Es ist wichtig, die Darmtätigkeit postoperativ täglich ein
bis zwei Mal zu überprüfen. Dies geschieht vor allem
durch Abhören des Bauches. Nach jedem Baucheingriff kann
der Darm in den ersten paar Tagen "streiken". Er ist sozusagen
beleidigt und verweigert seinen Transportdienst. Dies ist
eine ganz normale Reaktion, die sich jedoch in den ersten
paar Tagen nach der Operation wieder einstellt. Nimmt
der Darm seine Tätigkeit wieder auf, kann der Patient versuchen,
kleine Mengen an Tee oder Wasser zu sich zu nehmen. Fördert
die Magensonde keinen oder deutlich weniger Magensaft,
kann der Patient von der zuvor eingelegten Sonde befreit
werden. Die Flüssigkeitsmengen können nun täglich gesteigert
werden. Der Kostaufbau beginnt zuerst mit Suppen, wird
anschliessend mit Stock und Sauce ergänzt, und schliesslich
darf der Patient feingeschnittene Kost und letztlich Normalkost
einnehmen. Die Hautfäden können am zehnten postoperativen
Tag gezogen werden. Die Patienten können bei einem guten
Verlauf innerhalb von etwa acht Tagen nach Hause entlassen
werden.
Was muss im zukünftigen Alltag beachtet werden?
Viele Patienten fragen den Arzt, ob sie etwas tun können,
um einem weiteren Darmverschluss vorzubeugen. Einem mechanischen
Ileus kann leider auf keine Art vorgebeugt werden. Jede
offene Operation, auch die des Darmverschlusses, kann
manchmal wieder zu Verwachsungen im Bauchraum führen. Die
Patienten können nach einer solchen Operation ein völlig
normales Leben führen, ohne Einschränkung von Essen und
Trinken, und sie können auch wieder Sport treiben. Beim
Wiederauftreten von Beschwerden wie Schmerzen oder Stuhlverhalt
sollten sich die Patienten rechtzeitig an ihren Arzt wenden.
Ist ein Darmverschluss die Folge einer anderen Grunderkrankung
(Tumor, Divertikulitis, Morbus Crohn), muss natürlich
gleichzeitig die Grunderkrankung fachgerecht behandelt
werden.
Historisches
Bereits in der Antike war den griechischen Ärzten das Symptom
des Darmverschlusses bekannt. Sie nannten diese Krankheit
"Ileus", was "voll Schlamm" bedeutet. Diese Bezeichnung
erfolgte deshalb, weil bei einem Darmverschluss der Darminhalt
nicht weitertransportiert werden kann und sich vor dem Hindernis
staut. Diese Flüssigkeit kann so ähnlich wie Schlamm aussehen.
