Die auf den folgenden Seiten beschriebenen Krankheiten sowie die Operationslehre enthalten Fotografien und Bildmaterial, welches während Operationen aufgenommen wurde.


Entscheiden Sie selber ob Sie diese Bilder sehen möchten. Bitte beachten Sie hierbei auch unseren Disclaimer sowie die rechtlichen Hinweise.

Die Praxis Baermed übernimmt keine Haftung.

Möchten Sie die Seite wirklich sehen?
Ja
Nein

Darmverschluss Dickdarm und Dünndarm

Wo liegen Dünndarm und Dickdarm?

Unser Darm besteht aus mehreren, sehr unterschiedlichen Abschnitten: Dem kur­­zen Zwölffingerdarm, der den Speisebrei direkt aus dem Magen erhält, dem Dünndarm, einem dünnen "Schlauch", der etwa vier bis fünf Meter lang ist, so­wie dem Dickdarm von ungefähr 1,2 Metern Länge. Die vielen Dünn­darm­­schlin­gen sind in der Bauchhöhle relativ frei beweglich und werden, im Ver­­gleich zum Dickdarm, über diverse Blutgefässe versorgt, da hier viele Nah­rungs­­bestandteile (Zucker, Eiweisse) aus der Nahrung direkt ins Blut auf­ge­nom­­men werden. Der Dickdarm (Kolon) "umrahmt" die im Mittel- und Un­ter­bauch verteilten Dünndarmschlingen und wird in verschiedene Abschnitte un­ter­teilt. 

  • Der erste Teil des Dickdarmes liegt im rechten Unterbauch, in welchen der Dünn­­darm so einmündet, dass ein Darmstück von mehreren Zentimetern Län­ge (Cae­cum) entsteht, das blind endet und ein dünnes Anhängsel hat, den so genannten Blind­darm oder Wurmfortsatz.
 
  • Oberhalb der Einmündung des Dünndarmes beginnt der aufsteigende Teil des Kolons (Kolon ascendens). Es zieht nach oben, fast bis zur Leber, und be­­schreibt dann eine Biegung (rechte Kolonflexur).
 
  • Danach folgt der horizontal von rechts nach links im Oberbauch ver­lau­fen­de Abschnitt des Dickdarmes (Kolon transversum, Querkolon). In Position ge­­halten wird dieses Stück Dickdarm durch eine "Fettschürze", die mit dem Darm verwachsen ist und "grosses Netz" genannt wird. Unter der Milz im lin­­ken Oberbauch angekommen, beschreibt der Dickdarm erneut eine Bie­gung (linke Kolonflexur).
 
  • Der absteigende Dickdarm zieht in Richtung des linken Unterbauches (Ko­lon descendens).
 
  • Danach beschreibt der Dickdarm eine S-Kurve und wird als Kolon Sig­moi­deum, kurz Sigma, bezeichnet. Hier endet der Dickdarm, gefolgt vom letz­ten Teil, dem Enddarm. 
 
  • Der Enddarm (Rektum) ist 16 Zentimeter lang und geht in den After über. In der Mitte dieses "Dickdarmrahmens", unterhalb des Dünndarmes, finden sich, zen­tral aus der Hauptschlagader entspringend und dann in einer schüt­zen­­­den Gewebeschicht verlaufend, mehrere grosse Blutgefässe, die strah­len­för­­­mig zum Kolon und zum Rektum ziehen. Die genaue Kenntnis des Chi­rur­gen da­rü­ber, welches Gefäss welchen Darmabschnitt versorgt, ist essentiell für eine gu­te Dickdarmchirurgie und muss bei komplexen Operationen in die­sem Be­reich gut bedacht werden.  
 
 
 

Wie funktionieren Dünndarm und Dickdarm?

Der im Magen angedaute Nahrungsbrei wird im Zwölffingerdarm mit Gal­len­saft und Säften aus der Bauchspeicheldrüse vermengt und in Bestandteile wie Zu­­cker, Fette und Eiweisse zerlegt. Die gute Durchblutung des Dünndarmes sorgt dafür, dass diese "Bausteine" ins Blut aufgenommen und vom Körper wei­­terverarbeitet werden können. Alle unverdaulichen Anteile gelangen schliess­­lich in den Dickdarm. Dieser entzieht dem noch flüssigen Nahrungsbrei das Wasser. Wie aber transportiert der Darm den Speisebrei weiter und wie dickt er diesen zum Schluss ein? Selbst beim nüchternen Menschen laufen von der Speiseröhre bis zum Enddarm periodische Wellen über die glatte Mus­ku­la­tur des Darmes und halten ihn kontinuierlich in Bewegung, so dass der Spei­se­­brei weitertransportiert wird. Dabei bewegen sich die Dünndarmschlingen im Vergleich zum Dickdarm schneller, so dass die Passagezeiten des Spei­se­breis im Dünndarm relativ kurz sind. Gleichzeitig wirkt dieser Mechanismus der schnellen "Beförderung" einer zu hohen Anzahl von Bakterien entgegen, die natürlicherweise im Darm vor­kommen. Im Dickdarm verweilt der Spei­se­brei länger, so dass er in Ruhe durch Wasserentzug eingedickt werden kann. Dies wird darmmotorisch so er­reicht, indem es hier nicht nur eine Vorwärts­be­we­gung der Schlingen gibt, son­dern auch eine Rückwärtsbewegung. Gleich­zei­tig steigt hier, was völlig nor­mal und erwünscht ist, die Bakterienzahl im Darm drastisch an. Der ge­sun­de Darm weist verschiedenste Bar­rie­re­me­cha­nis­men gegen diese Bak­te­rien auf und produziert bestimmte, fast des­in­fi­zie­rend wir­ken­de Eiweisse, die sich auf der Schleimhaut befinden. Erkrankungen wie der Darm­ver­schluss können dieses feinabgestimmte System empfindlich stö­ren und so zu gravierenden Folgen führen. 
 
 
 

Was ist ein Darmverschluss?

Ein Darmverschluss (Ileus) kann sowohl den Dünndarm als auch den Dick­darm betreffen. Man versteht darunter eine Passagestörung des Darm­in­hal­tes, die in den meisten Fällen mechanische Ursachen hat. Aber was bedeutet das? Ein Abschnitt des Dünn- oder Dickdarmes wird von innen oder aussen ver­­legt, so dass der Durchlauf des Speisebreis nicht mehr erfolgen kann. Die­ser Verschluss kann komplett (Ileus) oder inkomplett sein (Subileus). Von in­nen kann zum Beispiel ein mechanisches Hindernis durch einen wachsenden Tu­­mor oder durch verschluckte Gegenstände bei Kindern entstehen. Da der Darm ein weicher Schlauch ist, kann seine Öffnung auch von aussen zu­ge­drückt werden. Dies geschieht oft durch bindegewebige Stränge (Briden), wel­che die Bauchhöhle durchziehen und in welchen sich der mobile Dünndarm schnell verfangen kann. Man spricht hier von einem Bridenileus, der häufig Pa­­tienten mit Voroperationen betrifft, da Operationen grundlegend zur Bildung von Strängen füh­ren können. Die zweite Form eines mechanischen Ileus ist der Stran­gu­la­tions­ileus, der in der Regel den mobilen Dünndarm betrifft. Da­bei drehen sich die Dünndarmschlingen sozusagen um die eigene Achse und ru­fen damit eine Un­terbrechung der Blutzufuhr zum Darm hervor. Die Folge ist eine mangelnde Ver­sorgung des Darmgewebes mit Sauerstoff sowie eine Pas­sageblockade für den Nahrungsbrei. Im Weiteren kann sich der Dünndarm auch in den Bruch­sack unterschiedlichster Eingeweidebrüche klemmen, was eben­falls einen Ileus zur Folge haben kann. Der Dickdarm hingegen, an vielen Stel­len mit dem Bauch­fell fixiert, ist am häufigsten durch eine Passagestörung be­troffen, die durch einen Tumor hervorgerufen wird, der entweder im Dick­darm wächst oder von aussen auf ihn drückt. Neben den jetzt erwähnten me­cha­nischen Ur­sa­chen kann auch eine Lähmung der Darmmuskulatur die Ur­sa­che eines Ileus (pa­ralytischer Ileus) sein. Das heisst, dass die periodische Eigen­­bewegung des Darmes zum Erliegen kommt, der Nahrungsbrei nicht wei­­ter­trans­por­tiert und die Passage behindert wird. Dies kann bei schweren Stoff­wechselstörungen oder generalisierten bakteriellen In­fek­ten, bei einem Bauch­trauma wie auch nach grossen Bauchoperationen der Fall sein. Warum aber ist der Ileus so gefährlich? Es kommt hier allein durch den Stau des Speisebreis, völlig egal an welcher Stelle des Darmes und durch wel­che Ur­sache bedingt, zu einer starken Überdehnung der Darmwand. Diese löst eine Abfolge von Reaktionen im Körper aus, die im Folgenden geschildert wer­den sollen und die letztlich zu der gefährlichen "Ileuskrankheit" führen. Die Über­dehnung der Darmwand durch "Stau" führt zu einer Durch­blu­tungs­stö­­rung derselben, was lokal einen Sauerstoffmangel im Gewebe auslöst. Da­durch stellt der Darm seine Bewegung ein, was zu einem drastischen Anstieg der Bakterienzahl führt, die dann bestimmte Gifte ausscheiden. Nach diesen Ereig­­nissen wird die Darmwand, wenn man sich diese als "Barriere" vorstellt, in mehrfacher Hinsicht geschwächt. Es kommt zu einem Flüssigkeitseinstrom in den Darm und in die Darmwand, wobei das "Wasser" vorher, im Sinne einer krank­­haften Umverteilung, dem Blutgefässsystem entzogen wird und beim Pa­­tienten eine Kreislaufschwäche bewirkt. Ausserdem können die Gifte der Bak­­terien nun die geschwächte Barriere der Darmwand durchdringen, ge­lan­gen in den Kreislauf und lösen dort über komplizierte Mechanismen ein Schock­­geschehen aus, welches weitere Organe, wie zum Beispiel Nieren oder Lun­gen, be­ein­träch­tigen kann. 
 
 
 

Wie erkenne ich einen Darmverschluss?
    
"Der Tag begann wie jeder andere. Ich habe gefrühstückt und bin dann zur Ar­­beit gefahren. Nach dem Mittagessen bekam ich plötzlich krampfartige Bauch­­schmerzen. Die Schmerzen kamen und vergingen wieder. Im Laufe des Nach­­mittags konnte ich nur noch zusammengekrümmt auf meinem Stuhl sit­zen. Mein Chef hat mich dann nach Hause geschickt. Zu Hause angekommen muss­­te ich mehrmals im Schwall erbrechen. Mein Bauch blähte sich zu­neh­mend auf und die Schmerzen wurden immer stärker. Es ging mir nur im Lie­gen, mit angezogenen Beinen, einwenig besser. Ein Freund, der mich abends spon­­tan besuchen wollte, fuhr mich schliesslich umgehend in die Klinik auf die Not­­fallstation."
 
Diese Schilderung eines Betroffenen enthält viele Beschwerden, von denen ein Pa­­tient mit drohendem Ileus in der Regel berichten kann. Kardinalsymptome sind Erbrechen (eventuell sogar im Schwall) und starke, schubweise, ko­lik­ar­ti­ge Bauchschmerzen. In vielen Fällen ist der Bauch stark gebläht und druck­schmerz­­haft. Je nach dem, in welchem Abschnitt des Darmes der Verschluss ist, haben die Patienten keinen Stuhl- oder Windabgang mehr. Eine häufig ge­stell­­te Frage ist, weshalb man krampfartige Koliken bekommt. Sobald der Darm aus irgendeinem Grund verschlossen ist, versucht er mit aller Gewalt, ge­­gen dieses Hindernis anzukämpfen. Dieses Ankämpfen gegen ein Hindernis ver­­ursacht die kolikartigen Schmerzen. Beim paralytischen Ileus dagegen kommt es schnell zu einer Lähmung des Darmes: "Es wird totenstill im Bauch", das heisst, dass der Arzt keine Darmgeräusche über sein Stethoskop mehr hören kann.
 
 
 

Notwendige Abklärungen und diagnostische Möglichkeiten

Je nach dem, welcher Abschnitt des Darmes von einem Verschluss bedroht ist, können die oben genannten Beschwerden in sehr unterschiedlicher Aus­prä­­gung und Reihenfolge auftreten. Patienten mit einem Dünndarmileus kla­gen häufiger über krampfartige Bauchschmerzen und Erbrechen. Ein Dick­darm­­ileus bewirkt in der Regel zunächst deutliche Unregelmässigkeiten des Stuhl­­ganges, bevor Bauchschmerzen auftreten. Deshalb müssen zunächst, durch eine genaue Befragung des behandelnden Arztes, andere Krank­heits­bil­der abgegrenzt werden. Beim Darmverschluss interessieren primär Aspekte wie der Zeit­punkt, an dem die Schmerzen begonnen haben, die Art der Schmer­zen (dumpf, stechend, kolikartige Krämpfe), ob der Patient erbrechen musste und wann er zum letzten Mal Stuhlgang hatte. Ferner sollte man ihn nach ver­gan­ge­nen Operationen im Bauchraum (Blinddarmentfernung, Ge­bär­mut­terent­fer­nung, Gallenblasenoperation, sonstige Magen- oder Darm­ope­ra­tio­nen) und an­deren Allgemeinerkrankungen fragen. Danach folgen weitere Un­ter­su­chun­gen:

  • Abtasten des Bauches: Bei der Untersuchung mit den Händen fällt oft ein ge­blähter, druck­schmerzhafter Bauch auf, der sehr schmerzempfindlich ist. Fer­ner sucht man beim Abtasten des Abdomens nach abnormalen Raum­for­­de­run­gen. Durch leichtes Beklopfen des Bauches mit den Fingern kön­nen Luft­an­samm­lungen erkannt werden. Ein sehr aussagekräftiger Un­ter­su­­chungs­schritt ist das Abhorchen des Bauches mit einem Stethoskop, um die Darm­geräusche zu beurteilen. Bei einem zunehmenden Darmverschluss kön­­nen zunächst so genannte "hochgestellte", später auch "klingende" Darm­­­geräusche gehört werden. Nach längerer Dauer eines mechanischen Ileus und beim Übergang in den paralytischen Ileus sind keine Darm­ge­räu­sche mehr hörbar. Die Art und Qualität der Darmgeräusche sind für den Chi­­rurgen ein sehr wichtiges Zeichen für einen Darmverschluss. 
 
  • Rektaluntersuchung: Die Untersuchung des Enddarms ist bei allen akut auf­­tretenden Bauchbeschwerden ein Muss. Schmerzen und Blut am Fin­ger­ling sind jedoch ziemlich unspezifisch und lassen sich auch bei anderen Darm- und Baucherkrankungen finden.
 
  • Abdomen-Leer-Bild: Die Röntgenaufnahme des Bauches im Stehen und Lie­gen liefert enorm viele Informationen be­züg­lich eines Darmverschlusses. Auf den Bildern sucht man nach Flüs­sig­keits­spiegeln und nach so ge­nann­ter freier Luft im Bauchraum. Sind solche Spie­gel vorhanden, ist dies ein fast sicheres Zeichen für das Vorliegen eines Darm­verschlusses. Anhand der Lokalisation der Flüssigkeitsspiegel kann in et­wa abgeschätzt werden, an welcher Stelle der Darm verschlossen ist. Eben­falls ein typisches Zei­chen für das Vorliegen eines Darmverschlusses sind so genannte "stehende Darm­schlingen". Durch den Verschluss des Dar­mes sammeln sich Gase vor dem Hindernis an, die Darmschlingen blä­hen sich auf und vermitteln auf dem Röntgenbild den Eindruck, als würden sie im Bauch stehen.
 
  • Ultraschalluntersuchung: Ein Ultraschall des Abdomens bietet eine schnel­le Möglichkeit, wichtige Aus­sagen zu folgenden Fragen bezüglich der be­troffenen Darmschlingen zu machen: Sind sie mit Flüssigkeit gefüllt? Ist die Darmwand verdickt? Gibt es noch eine Eigen­bewegung der Darm­schlin­gen?
 
  • Kontrastmittelgabe: Bei Verdacht auf einen Dünndarmileus ohne Stran­gu­lation kann die orale Ga­be von wasserlöslichem Kontrastmittel versucht wer­den. Dieses Mittel wirkt auf der einen Seite abführend, auf der anderen Sei­te kann man nach be­stimmten Zeitabschnitten ein Röntgenbild machen um zu sehen, ob die Flüs­sigkeit in adäquater Zeit bis in den Dickdarm ge­lau­fen ist. Damit kann man den Ort des Verschlusses besser bestimmen.
 
  • Blutuntersuchungen: Eine Blutuntersuchung kann einen gewissen Bei­trag zur Ursachenklärung des Darmverschlusses leisten. Hingegen können in den Labor­er­geb­nis­sen lediglich gewisse Ursachen, jedoch nicht der Darm­verschluss selbst gesehen werden.
 
  • Computertomographie: Kann mit den oben genannten Untersuchungen die Ursache für den Darm­ver­schluss nicht gefunden werden oder hat man beim Abtasten des Bau­ches eine Raumforderung getastet, kann zur er­gän­zen­den Diagnostik in be­stimm­ten Fällen zusätzlich eine CT-Untersuchung durch­geführt werden.
 
Nur in der Zusammenschau von Krankengeschichte und diversen Unter­su­chungs­­ergebnissen kann sich ein Chirurg die wichtigsten Fragen be­ant­wor­ten: Ist es ein Dünndarm- oder ein Dickdarmverschluss? Ist der Verschluss me­cha­nisch oder paralytisch? Ist er komplett oder partiell? Leidet der Pa­tient unter einer anderen, bisher nicht bekannten Erkrankung (Tumor, Ent­zün­dung, Ein­ge­weidebruch)? Muss er den Patienten sofort operieren oder kann unter eng­ma­schiger Kontrolle zugewartet werden?
 
 
 

Wie wird ein akuter Darmverschluss behandelt?

Steht die Diagnose eines akuten Darmverschlusses fest, werden grundlegende Mass­­­nahmen ergriffen, unabhängig davon, um welche Form des Ileus es sich han­­delt. Da alle Patienten unter einer gravierenden Störung ihres Flüs­sig­keits­haus­­haltes leiden, gleichzeitig aber nüchtern bleiben müssen, erhalten sie zu­nächst einen grossen venösen Zugang, wobei ein weicher Kunststoffschlauch durch eine grosse Nadel in ein zentrales Blutgefäss vorgeschoben wird. Dieser ZVK (zentralvenöser Katheter) liegt entweder im Bereich des Schlüsselbeines oder am Hals. Über diesen Katheter erhalten die Patienten die notwendige Flüs­sigkeit so­wie Spurenelemente und Medikamente (z.B. Antibiotika). Da die meis­ten Pa­tien­ten bereits erbrochen haben, wird ihnen eine Magensonde ge­legt. Es han­delt sich hierbei um einen feinen Plastikschlauch, der über die Na­se via Spei­se­röhre bis in den Magen vorgeschoben wird. Damit kann die zu­rück­gestaute Flüs­sigkeit aus Magen und Darm in einen Beutel abgeleitet wer­den. Diese zwei Mass­nahmen, Magensonde und Infusion, dienen lediglich zur Si­cherstellung eines stabilen Kreislaufzustandes und haben keinerlei the­ra­peu­tische Wirkung be­züglich des Darmverschlusses. Manchmal müssen auch Pa­tienten mit einer fort­geschrittenen "Ileuskrankheit" auf der Intensivstation be­handelt werden. Wie geht man also weiter vor? Beim paralytischen Ileus (also nicht mechanisch) ergreift man oben genannte Mass­­nahmen und kümmert sich gleichzeitig um die Beseitigung des Grund­lei­dens. Das Vorgehen ist in diesem Fall eher nicht-operativ, es sei denn, dass es zu einer massiven Überdehnung des Darmes kommt. In diesem Fall muss eine spezielle Operation zur Entlastung des Darmes durchgeführt wer­den. Und beim mechanischen Ileus? Der mechanische Ileus ist häufig auf Verwachsungen im Bauchraum zu­rück­zu­füh­­ren und betrifft überwiegend den Dünndarm, da dieser in der Bauchhöhle re­­lativ mobil ist. Im Bereich des Dickdarmes wird ein mechanischer Verschluss in den meisten Fällen durch einen Tumor hervorgerufen. In beiden Situationen sind chirurgische Massnahmen nötig, um das Passagehindernis zu beseitigen und die Kontinuität des Darmes wieder herzustellen. Dabei ist bei der Be­hand­lung von Darmverschlüssen vor allem die offene Ope­ra­tion die Methode der Wahl. Je nach Zustand des Patienten kann eine la­pa­ros­kopische Operation ver­sucht werden. Trotzdem muss häufig auf die offene Tech­nik umgestiegen wer­den, da man das Problem entweder gar nicht richtig sieht oder die Ursache la­paroskopisch nur schwer zu beheben ist. Je nach dem, an welcher Stelle der Verschluss vermutet wird (Ober-, Mittel- oder Unterbauch), wird bei der Operation ein senkrechter Schnitt in der Mitte des Bauches als Zugang gesetzt. Danach werden in einem zweiten Schritt alle Schich­­ten der Bauchdecke vorsichtig durchtrennt. Mit mehreren Haken wer­den die Schnittränder aufgespannt, so dass der Blick auf die Bauchorgane frei wird. Jetzt kann der ganze Bauchraum nach der Ursache des Darm­ver­schlus­ses abgesucht werden. Als erstes fallen dem Chirurgen in der Regel die stark ge­­blähten Darmschlingen vor dem Passagehindernis (Bride oder Tumor) auf. Hin­­ter dem Verschluss findet sich oft der so genannte "Hungerdarm". An die­ser Stelle ist der Darm völlig leer und ganz dünn, da hier schon seit län­gerer Zeit keine Nahrung mehr durchtransportiert wurde. Hat man die Stelle des Ver­­schlusses gefunden, ist die Ursache in der Regel klar zu erkennen. In den al­­lermeisten Fällen sind es einfache Verwachsungen, die zum Abknicken oder zur Strangulation des Darmes führen. Die Verwachsungen werden scharf mit einer Schere durchtrennt, und die Blutungen werden mit einzelnen Stichen ge­­­stillt. Sobald der Darm von Verwachsungen befreit ist, muss seine Vitalität ge­­prüft werden, das heisst, es muss kontrolliert werden, ob der Darmab­schnitt, der abgeknickt war, noch "lebt". Bewegt sich der Darm auf Be­rüh­rung, ist seine Funktion noch erhalten. Ein weiteres Vitalitätskriterium ist die Far­­be und Blutzirkulation. Sind Farbe und Beweglichkeit des Darmes nach Lö­sung der Verwachsungen in Ordnung, kann der Bauch mit all seinen Schichten wie­­der verschlossen werden. Abgeklemmte, schlecht durchblutete Darm­ab­schnit­­te verfärben sich blau. Wird der Darm nach Beseitigung der Ver­schluss­ur­­sache nicht mehr schön rosig, muss davon ausgegangen werden, dass der be­­treffende Darmabschnitt bereits abgestorben ist und deshalb entfernt wer­den muss. Dabei wird der Darm oberhalb und unterhalb des abgestorbenen Darm­­anteils mit einem speziellen Klammernahtgerät durchtrennt und ver­schlos­­sen. Es entstehen zwei blinde Enden, die durch zwei fortlaufende Nähte wie­der aneinander gefügt werden. Es erfolgen dann die Kontrolle auf Blut­tro­cken­­heit, die Einlage von zwei Drainagen und ein schichtweiser Verschluss der Bauch­­decke.
 
 
 

Was geschieht nach der Operation?

In der Regel werden die Patienten nach einer Operation für ein bis zwei Tage auf der Intensivstation überwacht. Vor allem die Flüssigkeitszufuhr wird sorg­fäl­tig bi­lanziert und ständig korrigiert. Der Patient erhält ausreichend Schmerz­mittel und oft eine Antibiotika-Therapie. Eine früher gefürchtete Kom­pli­kation nach der Operation war das Auftreten einer Leckage an der neuen Darm­naht mit Aus­tritt von Darminhalt in den Bauchraum. Dies ist zum Glück bei guter chi­rur­gischer Technik und neuem Fadenmaterial sehr selten ge­wor­den. Es ist wichtig, die Darmtätigkeit postoperativ täglich ein bis zwei Mal zu über­­prü­fen. Dies geschieht vor allem durch Abhören des Bauches. Nach je­dem Bauch­ein­griff kann der Darm in den ersten paar Tagen "streiken". Er ist so­zusagen be­leidigt und verweigert seinen Transportdienst. Dies ist eine ganz nor­male Reak­tion, die sich jedoch in den ersten paar Tagen nach der Ope­ra­tion wieder ein­stellt. Nimmt der Darm seine Tätigkeit wieder auf, kann der Pa­tient ver­su­chen, kleine Mengen an Tee oder Wasser zu sich zu nehmen. För­dert die Ma­gen­sonde keinen oder deutlich weniger Magensaft, kann der Pa­tient von der zu­vor eingelegten Sonde befreit werden. Die Flüssigkeitsmengen kön­nen nun täg­lich gesteigert werden. Der Kostaufbau beginnt zuerst mit Sup­pen, wird an­schliessend mit Stock und Sauce ergänzt, und schliesslich darf der Patient fein­geschnittene Kost und letztlich Normalkost einnehmen. Die Hautfäden kön­nen am zehnten postoperativen Tag gezogen werden. Die Pa­tienten kön­nen bei einem guten Verlauf innerhalb von etwa acht Tagen nach Hause ent­las­sen werden.
 
 
 

Was muss im zukünftigen Alltag beachtet werden?

Viele Patienten fragen den Arzt, ob sie etwas tun können, um einem weiteren Darm­­verschluss vorzubeugen. Einem mechanischen Ileus kann leider auf keine Art vorgebeugt werden. Jede offene Operation, auch die des Darm­ver­schlus­­ses, kann manchmal wieder zu Verwachsungen im Bauchraum führen. Die Patienten können nach einer solchen Operation ein völlig normales Leben füh­­ren, ohne Einschränkung von Essen und Trinken, und sie können auch wie­der Sport treiben. Beim Wiederauftreten von Beschwerden wie Schmerzen oder Stuhlverhalt sollten sich die Patienten rechtzeitig an ihren Arzt wenden. Ist ein Darmverschluss die Folge einer anderen Grunderkrankung (Tumor, Di­ver­­tikulitis, Morbus Crohn), muss natürlich gleichzeitig die Grunderkrankung fach­­gerecht behandelt werden.
 
 
 

Historisches

Bereits in der Antike war den griechischen Ärzten das Symptom des Darm­ver­schlus­­ses bekannt. Sie nannten diese Krankheit "Ileus", was "voll Schlamm" be­­deutet. Diese Bezeichnung erfolgte deshalb, weil bei einem Darmverschluss der Darminhalt nicht weitertransportiert werden kann und sich vor dem Hin­der­­nis staut. Diese Flüssigkeit kann so ähnlich wie Schlamm aussehen.
 
 
 

                                                                                                                   zurück zum Seitenanfang

Patienteninformation