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Dickdarmkrebs

Wo liegt der Dickdarm?   

Der Dickdarm (Kolon) ist der letzte Teil des Verdauungstraktes und "um­rahmt" die im Mittel- und Unterbauch verteilten Dünndarmschlingen. Aus­ser­dem wird der Dickdarm in verschiedene Abschnitte unterteilt:

  • Der erste Teil des Dickdarmes liegt im rechten Unterbauch, in welchem der Dünn­­­darm so einmündet, dass ein Darmstück von mehreren Zentimetern Län­ge (Cae­cum) entsteht, das blind endet und ein dünnes Anhängsel hat, den so genannten Blind­darm oder Wurmfortsatz.
 
  • Oberhalb der Einmündung des Dünndarmes beginnt der aufsteigende Teil des Kolons (Kolon ascendens). Es zieht nach oben, fast bis zur Leber, und be­­schreibt anschliessend eine Biegung (rechte Kolonflexur).
 
  • Danach folgt der horizontal von rechts nach links im Oberbauch ver­lau­fen­de Abschnitt des Dickdarmes (Kolon transversum, Querkolon). In Position ge­­halten wird dieses Stück Dickdarm durch eine "Fettschürze", die mit dem Darm verwachsen ist und als "grosses Netz" bezeichnet wird. Unter der Milz im linken Oberbauch angekommen, beschreibt der Dickdarm erneut eine Biegung (linke Kolonflexur).
 
  • Der absteigende Dickdarm zieht in Richtung linker Unterbauch (Kolon des­cen­­dens).
 
  • Danach beschreibt der Dickdarm eine S-Kurve und wird als Kolon sig­moi­deum, kurz Sigma, bezeichnet. Hier endet der Dickdarm, gefolgt vom letz­ten Teil, dem Enddarm.
 
  • Der Enddarm (Rektum) ist 16 Zentimeter lang und geht in den After über.
 
In der Mitte dieses "Dickdarmrahmens", unterhalb des Dünndarmes, finden sich, zen­tral aus der Hauptschlagader entspringend und dann in einer schüt­zen­­den Gewebeschicht verlaufend, mehrere grosse Blutgefässe, die strah­len­för­­mig zum Kolon und zum Rektum ziehen. Die genaue Kenntnis des Chi­rur­gen da­rü­ber, welches Gefäss welchen Darmabschnitt versorgt, ist essentiell für eine gu­te Dickdarmchirurgie und muss bei komplexen Operationen in die­sem Be­reich gut bedacht werden.  
 
 
 

Wie funktioniert der Dickdarm?
  
Der gesamte Darm hat neben seiner Funktion als Verdauungsorgan auch wich­­tige motorische und immunologische Aufgaben. Auch in nüchternem Zu­stand laufen von der Speiseröhre bis zum Enddarm periodische Wellen über die glatte Darmmuskulatur und halten den Dünn- und Dickdarm kontinuierlich in Bewegung, so dass der Speisebrei weitertransportiert wird. Dabei be­we­gen sich die Dünndarmschlingen im Vergleich zum Dickdarm schneller, so dass die Durch­­lauf­zeiten des Speisebreis im Dünndarm relativ kurz sind. Gleichzeitig wirkt hier der Me­cha­nis­mus der schnellen "Beförderung" einer zu hohen An­zahl von Bakterien ent­ge­gen. Im Dickdarm werden die Passagezeiten länger, so dass der flüssige Nah­rungs­brei aus dem Dünndarm in Ruhe eingedickt wer­den kann. Die Haupt­auf­ga­be des Dickdarmes besteht darin, dem flüssigen Darm­inhalt grosse Mengen an Was­ser wieder zu entziehen und dem Körper zu­rückzuführen. Dies wird darm­mo­torisch so erreicht, indem es hier nicht nur Vor­wärtsbewegungen der Schlin­gen gibt, sondern auch Rück­wärts­be­we­gun­gen. Gleichzeitig steigt hier, was völlig normal und erwünscht ist, die Bak­te­rien­zahl drastisch an. Der ge­sun­de Darm weist verschiedenste Bar­rie­re­me­cha­nis­men gegen diese Bak­te­rien auf und produziert bestimmte, fast des­in­fi­zie­rend wirkende Ei­weisse, die sich auf der Darmschleimhaut befinden. Gleich­wohl sind bestimmte Darm­regionen vermehrt von Lymphknoten durchsetzt und übernehmen an­de­re immunologische Aufgaben zur Abwehr von Keimen. So­wohl operative Ein­grif­fe, aber auch andere Erkrankungen des Darmes kön­nen dieses fein­ab­ge­stimm­te System mit gravierenden Folgen stören und füh­ren zu klassischen Pro­blemen der Darmchirurgie: Nach operativen Eingriffen stellt der Darm, als Reak­tion auf die erfolgte Manipulation, seine "Eigen­be­we­gung" ein. Daraufhin wer­den der Nahrungsbrei und die im Darm enthaltene Luft nicht wei­tertrans­por­tiert. Der Darm hat eine Lähmung (Atonie). Daher rich­tet sich das Au­gen­merk nach einer Darmoperation auf die Lähmung, die mit speziellen Massnah­men überwunden werden muss.  
 
 
 

Die häufigsten bösartigen Dickdarm- und Rektumtumore

In der Medizin wird grundsätzlich zwischen primären und sekundären Tu­mo­ren (Metastasen) unterschieden. Ein primärer bösartiger Tumor wäre im Dick­darm­­bereich ein Tumor, der im Kolon respektive im Rektum entsteht und die Eigen­­schaft besitzt, Absiedlungen (Metastasen) zu bilden. Die Absiedlungen die­­ser Tumoren werden über das Lymphsystem in die Leber und anschliessend in die Lunge geschwemmt, in welcher sie weiter wachsen können. Der häu­figs­­te Tumor im Dickdarm ist das Adenokarzinom (lat. adeno = von Drü­sen­zel­len aus­gehend), das von der Dickdarmschleimhaut ausgeht. Liegt der glei­che Tu­mor innerhalb eines Abstandes von 16 Zentimetern bis zum After, spricht man von einem Rektumkarzinom. Andere, seltene Karzinome, die ge­fun­den wer­den, heissen schleimbildende (muzinöse) Adenokarzinome oder Sie­­gel­ring­zell­kar­zinome. Auch die äussere Form, die der Tumor im Darm an­nimmt, kann sehr unterschiedlich sein: Er kann gestielt, kraterförmig und dif­fus wachsend sein, oder er kann ringförmig die Darmlichtung einengen. Je nach Er­schei­nungs­form sind auch die Frühsymptome, die mit diesem Tumor ein­hergehen kön­nen, sehr unterschiedlich. Die Ursachen der Entstehung die­ser Karzinome sind nicht genau bekannt. Es werden genetische, aber auch Er­näh­­rungs­fak­to­ren wie ein hoher Fettanteil in der Nahrung diskutiert. Einige Ri­si­kofaktoren sind aber auch ziemlich gut belegt. Dazu gehören bestimmte Vor­­er­kran­kun­gen des Darmes, wie etwa die Kolitis ulzerosa, der Morbus Crohn oder die familiäre Poliposis coli. Letztere gilt sogar als Präkanzerose (Tu­mor­vor­stufe), da hier die vielen Wucherungen der Darmschleimhaut (Polypen) nach einer ge­wissen Zeit bösartig werden. Auch eine bekannte Fa­mi­lien­anam­ne­se mit Ko­lonkarzinomen in der direkten Verwandtschaft erhöht die Wahr­schein­­lich­keit, an einem solchen Tumor zu erkranken.  
 
 
 

Wie erkenne ich einen bösartigen Dickdarmtumor?

Leider sind die ersten Symptome bei Patienten mit diesem Tumor sehr un­ter­schied­­lich oder auch gar nicht vorhanden. Wenn die Darmlichtung, zum Bei­spiel durch den Tumor, verlegt wird, kann es zu Stuhlunregelmässigkeiten (Durch­fälle wech­seln sich mit Verstopfung ab) oder zu kolikartigen Schmerzen und Blä­hun­gen kommen. Gestielte Tumore bluten häufiger und können so eine schlei­chen­de Blutarmut beim Patienten hervorrufen. Tritt ein Blutabgang im Bereich des Afters auf oder entdeckt der Patient Blut im Stuhl, sollte er so­fort einen Arzt konsultieren um abzuklären, ob dies lediglich mit einem Hä­mor­­rhoi­dal­lei­den zusammenhängt oder andere gravierendere Ursachen hat.  
 
 
 

Notwendige Abklärungen und diagnostische Möglichkeiten

Leider können verschiedenste Magen-Darmerkrankungen die oben erwähnten Be­­­schwerden hervorrufen, so dass der Arzt zunächst einen sehr genauen Ab­lauf der Krankengeschichte erfragen muss, vielleicht wie folgt: "Seit wann be­ste­­hen Schmerzen im Bauch und Stuhlunregelmässigkeiten? Haben die Be­schwer­­den einen Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln oder ins­ge­­samt mit der Nahrungsaufnahme? Gibt es einen deutlichen Gewichtsverlust, einen Leistungsknick?" Fragen nach Blut im Stuhl oder Blutauflagerungen auf dem Stuhl sind ebenfalls sehr wichtig. "Gibt es in der nahen Verwandtschaft be­­sondere Darmerkrankungen oder Menschen, die ein Dickdarmkarzinom hat­ten?" Dann wird der Arzt den Bauch untersuchen und fühlen, ob es eine deut­li­­che Überblähung gibt, ob ein Tumor zu tasten ist oder ob Bruchpforten vor­han­­den sind. Eine Laboruntersuchung wird sicherlich durchgeführt, um eine Über­­sicht über alle Organfunktionen zu bekommen und um beispielsweise eine Blutarmut aus­zu­schliessen. Da der überwiegende Teil der Karzinome im End­darm gefunden wird, gehört beim geringsten Verdacht auf einen Tumor in die­sem Bereich eine digitale Untersuchung des Enddarmes durch den Arzt da­zu. Hat sich bis da­hin der Verdacht auf ein Kolon- oder Rektumkarzinom be­stä­tigt, muss man zu­sätzlich eine Enddarm- und/oder Dickdarmspiegelung vor­nehmen und dabei Gewebeproben von allen verdächtigen Stellen der Schleim­haut entnehmen. Wei­terhin wird man eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens machen, um die Leber (Metastasen), Gallenblase, Gallenwege, Bauch­­spei­chel­drü­se und Nieren zu beurteilen. Je nach Lage und Grösse des Tu­mors sowie an­derer Begleiterkrankungen des Patienten können zusätzlich Spe­­zial­un­ter­suchungen, wie beispielsweise eine CT-Untersuchung, eine Endo­so­nographie des End­dar­mes (die genaue Lage des Tumors ist für die Ope­ra­tions­planung sehr wichtig), ein Herz­­ultraschall oder eine Lungen­funktions­dia­gnos­tik, notwendig werden.  
 
 
 

Wie kann ein kolorektales Karzinom behandelt werden?

Hat sich die Diagnose eines Kolon- oder Rektumkarzinoms bestätigt, so ist eine chirurgische Entfernung des Tumors die Therapie der Wahl. Diese kann, je nach Tumorstadium, den Patienten definitiv von seinem Tumorleiden be­frei­­en. Konservative Therapien, wie zum Beispiel die Chemotherapie, werden nur er­gän­zend benutzt. Vor der Operation erfolgt eine Darmspülung, damit beim Ent­fernen und Zusammenfügen des Darmes keine Infektionen durch Kei­me ent­stehen. Aus diesem Grund erhält auch jeder Patient vor der Ope­ra­tion eine An­tibiotikagabe, die auch nach der Operation noch mehrere Tage fort­geführt wird. Ziel einer Dickdarmoperation, völlig gleich an welcher Stelle sich das Kar­zinom befindet, ist die Entfernung des tumortragenden Darm­ab­schnit­tes so­wie der dazugehörigen Lymphknoten und das Reanastomosieren (Anas­­to­mo­se = Wiedervereinigung von Hohlorganteilen) der Dick­darm­be­rei­che. Exemplarisch soll im Folgenden eine Hemikolektomie rechts beschrieben wer­den. Führt man diese Operation durch, so befindet sich der Tumor irgendwo im aufsteigenden Teil des Dickdarmes auf der rechten Seite des "Rahmens". Der Zugang zur Bauchhöhle erfolgt über einen Schnitt, der zwei bis drei Quer­fin­ger oberhalb des Nabels beginnt, diesen dann bogenförmig links umfährt und weiter nach unten bis zur Schamhaargrenze zieht. Dann wird die Bauch­de­cke durchtrennt und die Bauchhöhle eröffnet. Der Chirurg tastet zunächst alle Organe wie Leber, Milz und Magen mit der Hand ab, um sich zu orien­tie­ren: Finden sich vergrösserte Lymphknoten oder Me­tastasen? Hiernach sucht er sich das aufsteigende Kolon auf der rechten Sei­te sowie das "Zoekum", den Teil des Dickdarmes, in welchen der Dünn­darm einmündet. Liegt der Tumor näm­lich sehr nah an dieser Ein­mün­dungs­stel­le, muss der Chirurg mit dem Ent­fernen von Dünndarm sehr sparsam sein, da dort viele Gallensäuren auf­ge­nommen werden. Dann wird der Chirurg sich anhand der Tumorlokalisation die Grenzen markieren, an denen er den Darm durch­trennen will. Die Auf­hän­ge­bänder zwischen Dickdarm und Leber sowie Dick­darm und Magen müssen durch­trennt werden. Da Teile des aufsteigenden Dick­darmes am Bauchfell fi­xiert sind, wird dieser vorsichtig von seiner Un­ter­la­ge gelöst und in Richtung Bauch­mitte mobilisiert. Dabei muss vor allem auf den Harnleiter geachtet wer­den, der rückseitig im Bauchfell verläuft. Im nächs­ten Schritt werden die von der "Mitte des Rahmens" nach aussen zum Dick­darm verlaufenden Ge­fäs­se in ihrem Gewebestrang vorsichtig frei­prä­pa­riert. Im erforderlichen Abstand zum Tumor wird der Darm zu beiden Seiten ab­geklemmt. Die bereits frei­prä­pa­rierten Gefässe werden unterbunden, und der Darm wird an den zwei Stel­len durchtrennt und entfernt. Die ver­blei­ben­den Stümpfe werden desinfiziert, und Dickdarm und Dünndarm werden sorgfältig wie­der aneinander genäht. Es wird eine Silikondrainage in die Nähe der Anas­to­mo­se gelegt und separat aus­ge­leitet. Nach der Kontrolle auf Bluttrockenheit wird die Bauchdecke wieder schicht­weise verschlossen. Befindet sich ein Tumor im quer­verlaufenden oder ab­steigenden Teil des Dickdarmes, wird, unter spe­ziel­ler Berücksichtigung der Ge­fässversorgung und anderer Details, bezüglich der Ope­rationsabfolge ge­nau­so vorgegangen wie bei der Hemikolektomie, nur das ein anderer Bereich des Darmes betroffen ist. Komplizierter wird das Verfahren, wenn der Tumor im Enddarm liegt, da hier der Darm bereits im kleinen Becken verläuft und deshalb operativ schwerer zu­­gänglich ist. Die kurative Therapie eines Enddarmkarzinoms geschieht zum Bei­­spiel durch eine anteriore Rektumresektion. Der Zugang zur Bauchhöhle er­­folgt genauso wie bei der Hemikolektomie. Danach wendet sich der Ope­ra­teur dem linken Unterbauch zu und sucht den tumortragenden Darmabschnitt auf. Aus den Voruntersuchungen weiss der Chirurg in der Regel, in welcher Hö­­he der Tumor zu finden ist. Dieses Wissen ist vor allem bei den End­darm­tu­mo­ren sehr wichtig, da der Abstand vom Tumor zum After für die Ope­ra­tions­pla­nung, vor allem aber bei der Durchführung der Anastomose in diesem Be­reich, eine gros­se Rolle spielt. Um im Bereich des Rektums Darm resezieren zu können, muss zunächst das Kolon descendens als vorgehender Darmanteil vom Un­ter­grund gelöst und mobilisiert werden. Bei bösartigen Tumoren wer­den die zu­ge­hörigen Lymphknoten an den grossen Gefässen aufgesucht und ent­fernt. Die von der Mitte des Abdomens ausgehenden Gefässe in den Auf­hän­­ge­bän­dern der Darmabschnitte (Mesenterien) werden ganz zentral, am Un­terrand der Bauchspeicheldrüse, dargestellt und abgesetzt. Damit wird das gan­ze Ab­fluss­gebiet der Lymphe mit den Lymphbahnen und den Lymphknoten ra­dikal ent­fernt. Dieser Schritt ist bei einem Tumorleiden wichtig. Die Zahl der ge­fundenen und vom Tumor befallenen Lymphknoten ist für die Zukunft (Prog­nose) und für eine adäquate Behandlung mit Chemotherapie ent­schei­dend. Anschliessend wird das Rektum, das im kleinen Becken liegt, mo­bi­li­siert, wobei der Chirurg sorgfältig darauf achten muss, beide Harnleiter nicht zu verletzen. Das Rektum liegt in einem Aufhängeband von um­ge­ben­dem Fett­gewebe (Mesorektum), in dem die Gefässe und Lymphbahnen ver­lau­fen. Das Mesorektum wird gründlich entfernt, um eventuell vorhandene Me­tas­ta­sen zu beseitigen. Diese moderne chirurgische Methode (TME, Totale Me­so­rek­tale Exzision) wurde 1985 von Professor Bill Heald eingeführt. Der tu­mor­tra­gende Darmabschnitt mit den zugehörigen Aufhängebändern (Me­sen­te­rien) und alle möglicherweise tumorbefallenen Lymphgefässe und Lymph­kno­ten wer­den entfernt. Die für die männliche Potenz wichtigen Nervi cavernosi, die na­he an der Stelle verlaufen, an welcher der Rektumanteil entfernt wer­den muss, können dank dieser Technik praktisch immer erhalten bleiben. Im nächs­­ten Schritt wird die Kontinuität des Darmes wieder hergestellt. Dazu wer­­den modernste Stapler sowie Klammernahtapparate benutzt. Sie er­mög­li­chen Anastomosen des Darmes auch nur wenige Zentimeter vom After ent­fernt, an Stellen also, an welchen vor einigen Jahren Nähte noch nicht möglich wa­ren und die Pa­tien­ten folglich mit einem künstlichen Darmausgang (Anus praeter) leben muss­ten. Heute braucht weniger als einer von fünf betroffenen Pa­tienten noch einen Anus praeter. Schliesslich folgen die Kontrolle auf Blut­tro­ckenheit, die Einlage einer Silikondrainage und der schichtweise Verschluss der Bauchdecke. Zum Schluss sollen noch zwei chirurgische Massnahmen erwähnt werden, die bei sehr speziellen Situationen ihre Anwendung finden. Zum einen ist das die Ileo­­transversostomie, die bei grossen, darmeinengenden Tumoren im rechten Ko­l­on durchgeführt wird. Dabei wird sozusagen eine "Umgehung" des Tumors vor­­genommen. Der Dünndarm wird Seite zu Seite mit dem Teil des Quer­ko­lons zusammengenäht, der nach dem Tumor gelegen ist, damit die Passage durch den Darm ungehindert möglich wird.
 
Eine weitere Massnahme, die leider in der Darmchirurgie häufig nicht ver­mie­den, für den Patienten aber zu einer starken psychischen Belastung werden kann, ist die Anlage eines künstlichen Darmausganges (Anus praeter). Er dient der Ableitung von Stuhl und Gas eines Darmabschnittes über die Bauch­de­cke nach aussen in einen Beutel. Je nachdem, ob ein Dünndarm- oder Dick­darm­­an­teil ausgeleitet wird, spricht man von einem Ileostoma oder Ko­lo­sto­ma. Ent­weder kann ein Stoma als kurzfristige Massnahme angelegt werden mit dem Ziel, nach einigen Monaten die Darmkontinuität durch eine Rück­ver­la­gerung wie­der herzustellen, oder es handelt sich um eine endgültige Aus­lei­tung. Die Grün­de, die zur Anlage eines Stomas führen, sind unterschiedlich:
 

  1. Drohender Darmverschluss durch einen nicht resezierbaren Tumor

  2. Entzündliche Darmerkrankungen

  3. Zum Schutz eines erkrankten Darmabschnittes, bis dieser wieder voll funk­tions­­fähig ist.
 
Muss der Chirurg ein Stoma anlegen, wird er an geeigneter Stelle eine aus­rei­chend grosse Öffnung der Bauchdecke vorbereiten. Durch diese wird vor­sich­tig der Darmstumpf gezogen und sorgfältig eingenäht. Die in der Bauchdecke lie­­gende Darmöffnung wird dann mit einem speziellen Beutel versorgt. Viele Pa­­tienten fühlen sich zuerst durch eine Stomaanlage stark belastet. Sie fühlen sich nicht mehr gesellschaftsfähig und genieren sich, obwohl die heutigen Ein­mal­­materialien zur Stomapflege hervorragend sind und den Patienten ein si­che­res Gefühl vermitteln. Helfen kann hier manchmal die Selbsthilfegruppe der Stomaträger (ILCO)[1], die den betroffenen Patienten menschlich und fach­lich kompetent zur Seite steht. Aber auch spezielle Pflegefachleute, so ge­nann­­te Stomatherapeuten, vermögen den Patienten eine hilfreiche Un­ter­stüt­zung im Alltag zu sein.  
 
[1] http://www.ilco.ch/
 
 
 

Was geschieht nach der Behandlung?

In der Regel wird der Patient nach der Operation ein bis zwei Tage auf der In­ten­­sivstation betreut. Alle wichtigen Laborwerte werden kontrolliert, und es wird eine ausreichende Schmerz- und Infusionstherapie angesetzt. Die An­ti­bio­­tikagabe wird fortgesetzt. Aufgrund der Darmanastomose darf der Patient bis zu fünf Tagen nichts essen und trinken, damit es in diesem Bereich zu kei­ner Undichtigkeit kommt - eine Komplikation, die sehr aufwändig zu be­han­deln ist. Nach diesen Tagen darf der Patient wieder einwenig trinken, damit auch der Darm seine Tätigkeit wieder aufnimmt. Dies kann eine ziemlich schmerz­­haf­te Phase für den Patienten sein, da der Darm zum Teil überbläht ist (Läh­mung) und seine Tätigkeit häufig mit Krämpfen wieder aufnimmt. Nach und nach wird die Nahrung über Suppe und pürierte Kost weiter auf­ge­baut.

Bei Patienten mit ausgedehnteren Tumoren im Rektum muss in Absprache mit den Onkologen und Radioonkologen eine zusätzliche Chemotherapie oder Ra­dio­therapie besprochen werden. Denn oft ist bereits vor einer Operation eine Be­handlung mit Chemotherapeutika wichtig, um eine Resektion überhaupt zu er­möglichen oder um die Resultate mit einer Kombinationstherapie zu ver­bes­sern. Bei fortgeschrittenen Tumoren ist dieses Vor­gehen heute ganz wichtig. Den­noch bleibt die wichtigste Therapie die To­ta­le Mesorektale Exzision (TME) des Rektums durch einen erfahrenen Chi­rur­gen. Wurde dem Patienten ein Sto­ma angelegt, wird er durch einen speziellen Sto­maberater mit den Ab­läu­fen und Materialien vertraut gemacht, die zur Sto­mapflege gehören. Je nach Grös­se und Art des entfernten Tumors erfolgt eine individuelle Nachsorge je­des Patienten. In bestimmten Zeitabständen wer­den Tumormarker kon­trol­liert, und es werden eine Ultraschall- oder CT-Un­tersuchung des Abdomens so­wie eventuell eine Darmspiegelung durch­ge­führt, um sicher zu gehen, dass keine Metastasen aufgetreten sind oder dass kein neuer Tumor entstanden ist.

 
 

Historisches

Noch vor 150 Jahren starben etwa zwei Drittel der Patienten mit Ein­ge­wei­de­bruch­­­­operationen. Selbst bei kleinen Eingriffen wie Finger- und Ze­hen­am­pu­­ta­tio­nen starben 10% der Patienten. Gründe für diese hohe Sterb­lich­keit waren die fehlende Narkose, die Antisepsis und das Problem des "Schocks". Dieses letzt­genannte Phänomen wird beispielsweise durch einen hohen Blutverlust oder durch eingeschwemmte Bakterien verursacht und kann tödlich enden. Doch dann wur­den bahnbrechende Entdeckungen gemacht, die bis heute das fes­te Fun­da­ment eines jeden grösseren Baucheingriffes bilden. 1844 erfolgte die erste Narkose mit Lachgas durch Horace Wells und 1901 entdeckte Karl Land­steiner die Blut­­gruppen des Menschen. Dies eröffnete zum ersten Mal die Mög­lichkeit, bei gros­­sen chirurgischen Operationen Blutübertragungen vor­zu­neh­men und den Blu­tungs­schock erfolgreich zu behandeln. Die grösste Er­run­gen­schaft war je­doch die Erkenntnis von Ignatz Philipp Semmelweiss, dass die da­mals meist töd­­lich verlaufenden Wundinfektionen, vor allem das Kind­bett­fie­ber, ihre Ur­sa­­che in mangelnder Hygiene von Händen und Instrumenten hat­ten. Bis dahin war eine gründliche Händedesinfektion in Spitälern völlig un­be­kannt. Man "trug", ohne es zu wissen, die Bakterien von einem Patienten zum anderen. Lei­der war Semmelweiss seiner Zeit zu weit voraus, so dass seine Appelle zur Hän­­dedesinfektion mit Karbolsäure, trotz belegter Wirk­sam­keit von Luis Pas­teur, dem berühmten Entdecker der Bakterien, zunächst nicht ernst ge­nom­men wurden. Der Chirurg Joseph Lister in Glasgow war es, der die Ideen von Sem­­melweiss gehört und 1867 in seiner Klinik mit Erfolg um­setzte: Vor Ope­ra­­tionen wurden die Hände der Chirurgen mit kar­bol­hal­ti­ger Seife gewaschen, und es wurde eine karbolhaltige Lösung während der Ope­ration über dem Ope­rationsgebiet zerstäubt. Damit sank die Zahl der töd­li­chen Komplikationen nach Operationen deutlich. Im Zuge dieser Er­kennt­nis­se entstanden dann Ope­rationssäle, die nur noch mit Haube und Mundschutz be­treten werden durf­ten, so dass die ersten grossen, dann auch aseptisch durch­geführten bauch­chirurgischen Eingriffe ab 1880 erfolgreicher waren. Exem­plarisch für die "Aufbruchstimmung" in der Bauchchirurgie unter diesen "neuen" Be­din­gun­gen ist die Arbeit des Chirurgen Professor Ulrich Kroenlein, der seit 1881 am Universitätsspital Zürich arbeitete und lehrte. Er setzte im Spi­tal die neu­en "Hygienevorstellungen" in Massnahmen um, indem er Böden ka­cheln, Bett­ge­stelle aus Holz entfernen und einen neuen Operationssaal in Form eines Am­phitheaters (Studentenunterricht) bauen liess. Kroenlein ope­rier­te als einer der ersten Chirurgen akute Bilddarmentzündungen und be­fass­te sich mit der The­rapie der eitrigen Bauchfellentzündung, die nach Darm­ver­let­zungen auf­trat. Um solche Bauchfellentzündungen durch schlechte Darm­näh­te (Anas­to­mo­sen) zu vermeiden, rangen zu dieser Zeit zwei andere, be­rühm­te Chirurgen um neue Nahttechniken in der Darmchirurgie, so Theodor Ko­cher und Vinzenz Czer­ny. "Die Darmresektion ist zu einem ausserordentlich wich­tigen und ver­hält­nismässig häufigen chirurgischen Eingriff geworden, durch dessen kor­rek­te Ausführung der Chirurg manches sonst unrettbar ver­lo­re­ne Leben erhalten kann." schreibt Theodor Kocher 1894 und stellt damit seine fortlaufende Darm­naht vor (Boschung U. Meilensteine in der Geschichte der intestinalen Anas­tomose. Swiss Surg 2003; 9: 99-104). So führte Sir Er­nest Miles schon 1907 die erste radikale abdominoperineale Resektion bei einem End­darm­kar­zi­nom durch, ein grosser Eingriff, bei welchem Dickdarm und Enddarm ganz ent­fernt wurden.
 
 
          

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