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Erkrankungen des Dickdarms

Wo liegt der Dickdarm?
 

Abb. 1 zeigt die wichtigsten Organe innerhalb des Bauch­raums. Der Dick­darm - auch Kolon ge­­nannt - als letz­­ter Teil des Ver­­dauungstraktes um­­­rahmt die im Mittel- und Un­ter­bauch verteilten Dünn­darm­schlin­gen. Grund­­sätz­lich wird das Ko­lon in sechs Abschnitte unter­­teilt (Abb. 2):
 

Dickdarm Appendix

Der erste Teil des Dickdarms liegt im rechten Unterbauch, in den der Dünn­­­darm seitlich so einmündet, dass ein Darmstück von mehreren Zentimetern Län­ge (Cae­­­­­cum) entsteht, das blind endet und in ein dünnes An­­­­hängsel übergeht, in den sogenannten Blind­darm oder Wurmfortsatz (Abb. 3).

Oberhalb der Einmündung des Dünndarms beginnt der auf­­­­steigende Teil des Kolons (Colon ascendens). Die­ser zieht nach oben bis zur Leber und be­­schreibt anschlies­­­send eine Biegung, die sogenannte rechte Kolon­­­flexur. Danach folgt der horizontal von rechts nach links im Oberbauch ver­lau­fen­de Abschnitt des Dickdarms, der als Querkolon (Colon transversum) be­zeich­net wird. An ihm ist das grosse Netz befestigt, das als "Fett­­schür­ze" den Dünndarm bedeckt.

Unter der Milz im linken Oberbauch angekommen, be­schreibt der Dickdarm eine Biegung nach unten, die als lin­­­­ke Kolonflexur bezeichnet wird. Der absteigende Dickdarm (Colon des­cen­­dens) zieht in Rich­­­tung linker Unterbauch und beschreibt an­schlies­send eine S-Kurve. Diesen Abschnitt bezeichnet man als Sigmaschlinge (Colon sigmoideum). Am Ende der Sigmaschlinge geht der Dickdarm flies­send in den Enddarm über. Dieser Teil wird als Rek­tum bezeichnet, ist etwa 16 Zentimeter lang und mün­det am Anus, der durch einen inneren und äusseren Schliessmus­­­kel verschlossen wird.
 

Zentrum für Bauchchirurgie

 
 
 
In der Mitte dieses Dickdarmrahmens, unterhalb des Dünn­­­­darms, finden sich, zen­tral aus der Hauptschlagader entspringend und dann in einer schüt­zen­­den Gewebeschicht (Mesenterium) verlaufend, mehrere grosse Blutgefässe, die strah­len­för­­mig zum Kolon und zum Rek­­­­tum hinziehen (Abb. 4). Die genaue Kenntnis des Chi­­­­­rur­gen da­rü­ber, welches Gefäss welchen Darmabschnitt versorgt, ist essentiell für eine gu­te Dickdarmchi­­­­rurgie und muss insbesondere bei komplexen Operationen in die­sem Be­reich gut bedacht werden.
 
 
 

 
 
Wie funktioniert der Dickdarm?


Der gesamte Darm hat neben seiner Funktion als Verdau­­­ungsorgan, d.h. neben der Aufnahme von Nahrungs­­­bestandteilen, auch wich­­tige motorische und immu­­­nologische Aufgaben. In nüchternem Zu­stand laufen von der Speiseröhre bis zum Enddarm periodische Wel­­­len über die glatte Darmmuskulatur und halten den Dünn- und Dickdarm kontinuierlich in Bewegung, sodass der Nahrungsbrei stets weitergeschoben wird. Da­bei be­­­we­gen sich die Dünndarmschlingen, die hauptsäch­lich die verdaute Nahrung aufnehmen, im Vergleich zu den Abschnitten des Dickdarms wesentlich schnel­ler, sodass die Durch­­lauf­zeiten des Nahrungsbreis (Transitzeit) im Dünndarm relativ kurz sind.

Im Dickdarm werden die Passagezeiten länger, sodass der flüssige Nah­rungs­brei aus dem Dünndarm, der etwa die Konsistenz einer Crèmesuppe hat, in Ruhe eingedickt wer­­­­den kann. Die Haupt­auf­ga­be des Dickdarms besteht darin, dem flüssigen Darm­in­halt grosse Mengen an Was­ser zu entziehen und dieses dem Körper wieder zu­rück­zu­füh­ren. Dies wird darm­mo­torisch so erreicht, indem es hier nicht nur Vor­wärts­be­we­gun­gen der Schlin­­­gen gibt, sondern auch Rückwärtsbe­we­gun­gen. Ferner weist der Dick­darm im Ge­­gensatz zum Dünndarm eine hohe Dichte an Bakterien auf, die nebst im­munologischen Funktionen auch gewisse Fermentationsprozesse (Umsetzungsprozes­se biologi­­scher Materialien) übernehmen.   
 
So­wohl operative Ein­grif­fe, aber auch andere Erkrankungen des Darms kön­nen dieses fein­ab­ge­stimm­te motorische, immunologische und mikrobiologische System massiv beeinträchtigen. Zu einer typischen Reaktion des Darms, z.B. nach einem Bauchein­­­griff, gehört die postoperative Darmatonie. Dabei kommt es reflektorisch zu einer mehr oder weniger ausprägten "Lähmung" des Darms. Der Darm reagiert auf ein Opera­­tionstrauma, bei dem man ihn berührt, aufschneidet und wie­der zusammennäht, mit einem Stillstand. Symptome dieser Darmatonie reichen von einem geblähten Bauch bis zu Übelkeit und Erbrechen.
 
Wie lange dieser Funktionsstillstand andauert, kann nicht vorhergesagt werden und ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Bei kleinen Eingriffen oder laparoskopisch durch­­­geführten Operationen ist diese Zeit meist auf wenige Stunden begrenzt. Bei sehr ausgedehnten Eingriffen oder bei Operationen an einem infizierten Bauch, z.B. auf­­­grund einer Darmperforation, Magenperforation oder Eiteransammlung, kann sich die Darmatonie über mehrere Tage hinziehen. Zwar kann mittels verschiede­ner Medika­mente versucht werden, diese Zeit etwas zu verkürzen. In der Regel braucht es je­doch einfach Zeit, und der Darm nimmt seine Funktion wieder von alleine auf.
 
 
 

Was ist eine Divertikulose und was ist eine Divertikulitis?

Die Entstehung einer Divertikulose ist nach heutiger Lehrmeinung durch mehrere Fakto­­­­ren bedingt. Kommt es aufgrund bal­last­stoffarmer Ernährung, wenig körperlicher Be­we­­­­gung und begrenzter Flüs­sig­keitsaufnahme beim Menschen zu einer chronischen Ver­­­­­stopfung, steigt vor allem im Sigmabereich der Druck stark an. In dieser "Hochdruck­­­zone" kommt es mit der Zeit zu einer dauerhaften, lokalen Struk­tur­­veränderung der Darmwand, die auch "Di­vertikulose" genannt wird.
 

Divertikel

Was geschieht bei dieser Strukturveränderung? Vereinfacht ist die Darmwand aus drei Schichten aufgebaut: Ganz innen liegt die Schleimhaut, gefolgt von einer fes­te­­­­ren Stützschicht, die wiederum aussen von einem Mus­­­­kelmantel um­­geben wird. Durch den hohen Druck im Darminnern drückt die Schleim­haut im Bereich von mus­­­kulären Schwachstellen punktuell wie ein Finger an ei­nem Handschuh nach aus­sen. Treten diese Ausstülpun­­­gen an vie­­len Stellen vor allem im Sigma auf, spricht man von einer Divertiku­lose (Abb. 5). Zusammen­gefasst ist die Divertikulose eine struk­turelle Verän­derung der Darm­­wand, welche zwar zu Komplikationen führen kann, aber nicht muss.
 
Divertikel gehören in Europa zum häufigsten Dickdarmbefund bei Patienten, die älter als 50 Jah­re alt sind, wobei 70% der Betroffenen keine oder nur geringe Beschwer­den ha­­­­ben. Sie klagen allenfalls über gelegentliche Schmerzen oder Krämpfe im lin­ken Un­­­terbauch, wobei sich Durchfall und Verstopfung abwechseln können.
 
Von einer Divertikulitis spricht man dann, wenn es zu einer Entzündung der Divertikel kommt. Diese Entzündung hat im Gegensatz zur rein strukturellen Veränderung der Darm­wand einen wirk­­­lichen Krankheitswert. Stau­­en sich Stuhl und Bakterien in diesen Aus­stülpungen, kann dies eine Entzündung verursachen, die oft von Schmerzen und Fie­ber begleitet wird. Häufig wird eine akute Divertiku­litis ambulant durch den Hausarzt oder Ma­­gen-Darm-Spezialisten behandelt. Im Rahmen der Entzündungsreaktion kann es aber auch zu akuten Komplikationen kommen, wobei Blutungen, Ab­szes­­se oder Darmwandperforationen die Folge sein können. Tritt die Divertikulitis über Jahre im­mer wieder schubweise auf, können die ständig wiederkehrenden Entzündungen zu einer Vernarbung und Ein­engung des Darms führen. Das Vollbild einer solchen Eineng­ung der Darmlichtung ist der vollständige Darmverschluss, eine Kom­­plikation, die im­mer operiert werden muss.
 
 
 

Wie erkenne ich eine Divertikulitis?

Pa­tien­­ten können nur an einer Divertikulitis erkranken, wenn in ihrem Darm bereits Di­­ver­­­tikel vorhanden sind. Oft wissen jedoch Arzt und Patient nicht, ob dies der Fall ist. In den westlichen Industrienationen wissen allerdings zunehmend mehr Patienten, ob sie an Divertikeln erkrankt sind oder nicht. Dabei spielt die steigende An­zahl an Darmspie­gelungen zur Krebsvorsorge sicher eine grosse Rolle, wobei zufällig auf­ge­fun­dene Di­vertikel stets mitdokumentiert werden. Zu den klassischen Symptomen einer Divertikulitis werden Fieber, diffuse Unter­bauch­schmer­­­zen auf der linken Seite und Verstopfung, abgelöst von Episoden mit Durch­fall, ge­­nannt. Aber Vorsicht: Für Durch­­fall gibt es neben einer entzündlichen Darmerkrankung noch weitere unzählige Ursachen, so z.B. klassische Ma­gen-Darm-Grip­pen, Würmer, Reisedurchfall, Lebensmittelvergiftungen und mehr. Auch ein Tumor kann sich in Form dieser Beschwerden zum ersten Mal bemerkbar machen. 
 
 
 

Wie wird eine Divertikulitis abgeklärt?

Der zuständige Arzt muss zunächst durch möglichst gezielte Fragen an den Pa­­tienten ver­suchen, die oben genannten Krankheitsbilder abzugrenzen: Wie häufig treten Durch­­­­fälle auf? Gibt es dabei zusätzlichen Schleim- oder Blut­ab­­gang? Verursacht der Stuhl­­­­gang Schmerzen oder Krämpfe im Unterbauch? Gibt es im Rahmen solcher Episo­­­­den auch Fieberschübe? Wie sind Er­näh­rungs- und Lebensgewohnheiten? Hat der Pa­­­­tient einen starken Gewichts­ver­lust oder einen Leistungsknick bemerkt?

Im Anschluss an die Befragung ist eine gründliche Untersuchung des Bauches erforder­­lich, um die Stelle zu lo­ka­li­­sieren, an der die Schmerzen hauptsächlich auftreten. Bei einer Di­ver­ti­ku­­litis kann der untersuchende Arzt gelegentlich im linken Unterbauch eine Art "Walze" tasten und dabei einen deutlichen Druckschmerz auslösen. Zur körper­­­lichen Untersuchung gehört immer eine Rektaluntersuchung. Eine Blutanaly­se ver­voll­­­­ständigt diese erste Befragung und Untersuchung.

Die Synthese aus Befragung, körperlicher Untersuchung und diversen Laborresultaten ent­­­­schei­det darüber, welche weiterführenden diagnostischen Massnahmen eingeleitet wer­­­den sollen. Welche Methoden stehen dabei zur Verfügung?

Die Abdomensonografie ermöglicht eine grundlegende Orientierung so­wie die Beurteilung, ob sich freie Flüssigkeit im Bauch befindet. Die Qualität und Aussagekraft dieser Ultraschalluntersuchung hängt massgeblich von der Erfahrung des durchführenden Arz­­­­tes ab. Für die Diagnose einer Divertikulose ist die Abdomensonografie jedoch oft un­geeignet. Hinge­gen kann bei einer akuten Entzündung das Ausmass der Entzündung sowie ein all­fäl­li­ger Abszess gut beurteilt werden.
 

Divertikulose Koloskopie




Die Röntgen-Abdomenübersichtsaufnahme stellt grundsätzlich freie Luft als schwarze Flä­che dar. Tritt also bei einer Darmperforation Luft aus dem Darm, so sammelt sich die­se am höchsten Punkt innerhalb des Bauches und zeigt sich auf dem Röntgenbild als schwarze Sichel direkt unterhalb des Zwerchfells.
 
Die Computertomographie (Abb. 6) gewann bei der Dia­­gnostik der akuten Divertikulitis in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Die CT-Untersuchung kann Verän­­­­derungen an der Darmwand, zum Teil sogar einzelne Divertikel, gut darstellen. Ferner gibt das CT gute Aus­­­­künfte über allfällige Abszesse und freie Luft. In der glei­­­­chen Untersuchung können auch viele wei­tere Ursa­­­­chen für die Beschwerden des Patienten aus­­geschlos­­­­sen werden.
 
Die Indikation zur Dickdarmspiegelung (Abb. 7) - auch Ko­­loskopie genannt - muss differenziert gestellt werden. In der akuten Entzündungsphase wird aufgrund der ho­hen Aussagekraft und der niedrigen Komplikations­­rate der Computertomographie häufig auf eine Dick­­darmspie­­gelung verzichtet, da das Einführen des Endoskops in einen entzündlich veränderten Darm das Ri­­siko einer Per­­foration mit sich birgt. Erst nach Abheilung des akuten Schu­bes wird die Koloskopie durchgeführt. Da die Di­ver­tikulose ähnlich wie die Dickdarmtumo­­re mit steigen­­dem Alter zunehmen, wird jedoch bei je­dem Pa­tienten, der über 50 Jahre alt ist, eine Kolos­ko­pie an­ge­ordnet.

 
Wie kann eine Divertikulitis behandelt werden?


Das Auftreten und die Art von Komplikationen im Zusammenhang mit einer Divertikulitis bestimmen, ob zunächst eine konservative (medikamentöse) oder operative Therapie ein­geleitet werden muss. Handelt es sich um einen Ent­zün­dungs­schub ohne akute Blu­tung oder Zerstörung der Darmwand, wird die Erkrankung konservativ behandelt. Die wichtigsten Massnahmen sind die Ruhig­stel­lung des Darms durch Nahrungskarenz bei freiem Trinken, durch Ernährung über einen zentralen Venenkatheter, durch An­tibiotika-Abgabe und durch die Ver­ab­reichung krampflösender Medikamente. Es wer­den keine Laxantien (Abführmittel) gegeben oder abführende Massnahmen vom End­darm durchgeführt, da man eine Zer­stö­rung der Darmwand im Infektionsbereich fürch­tet. Klingt die Phase der Ent­zündung ab, darf der Patient wieder schlackenreiche, nicht blähende Kost zu sich nehmen.
 
Die sogenannten "elektiven", das heisst geplanten Ope­rationen bei einer Divertikulose res­pektive Divertikulitis werden in folgenden Fällen durch­ge­führt:
 

  • Divertikel sind durch eine Darmspiegelung nachgewiesen worden.
 
  • Mindestens eine schwere Entzündung hat bereits stattgefunden, die mit An­tibiotika be­handelt werden musste und eventuell einen Krankenhausaufenthalt nötig machte.  
 
  • Wiederkehrende Entzündungen im Sigmabereich und/oder Verengungen des Dickdarms sind nachgewiesen worden.
 
  • Bei einem entzündlichen Schub hat sich ein Abszess, eine Eiteransammlung im Bauch­raum, um den entzündeten Darm herum entwickelt.  
 
Eine Notfalloperation ist dann angezeigt, wenn ein Durchbruch von Darminhalt in den Bauch­­raum nachgewiesen oder zumindest vermutet wird.
 
 
 

  • Die offene Operation

Durch einen 10 bis 15 Zentimeter langen, vertikalen Hautschnitt vom Bauch­na­­bel bis zur Schamhaargrenze wird die Bauchdecke schichtweise durch­­trennt. Das Bauch­­­­­­fell wird eröffnet und die Sicht mit mehreren Ha­­ken frei gehalten, sodass der ge­­­­samte untere Bauchraum gut eingesehen wer­­den kann. Zuerst wird der ent­­­zün­de­­­­te Dickdarmteil aufgesucht, und der Chirurg legt fest, wie viel des veränder­­ten Dick­­­­darms entfernt wer­den muss. Anschliessend wird der Dickdarm vorsichtig seit­lich vom Bauch­­fell gelöst. Dabei muss sorgfältig auf den Harnlei­ter links geachtet wer­­­­­den, der in diesem Bereich unterhalb des Aufhängebandes (Mesenterium) des Sig­­­mas zieht. Der er­krankte Darm­­ab­schnitt wird freipräpariert, und die zuführenden Blut­­­gefäs­se werden durch­­trennt, sodass das Sigma gut abgesetzt werden kann. So­­­bald der Darm­abschnitt frei liegt, wird dieser mit einem speziellen Klam­mer­naht­ge­­­rät, das gleich­­zeitig schneidet und verschliesst, oberhalb und unterhalb des er­krank­­­ten Be­­rei­chs durchtrennt. Es entstehen zwei blinde Enden, die ent­­we­der von Hand oder mit einem speziellen Naht­apparat, der durch den Anus in den Darm ein­ge­­­bracht wird, aneinandergefügt werden. Es erfolgen die Kon­­trol­le auf Bluttrocken­heit und die Einlage von zwei Si­likondrainagen. Da­nach wird die Bauchdecke wieder schicht­­weise verschlossen. 
 
 

Operation

  • Die laparoskopische Operation

Heute gilt die minimalinvasive Chirurgie als Me­tho­­de der Wahl zur Entfernung von divertikeltragenden Darm­ab­­­schnitten (Abb. 8). Die Schlüssellochmethode wird ins­­be­­son­de­­re bei Patienten mit einer bekannten Diverti­ku­lose und mehreren Di­ver­­tikulitisschüben angewandt. Lie­gen je­­doch bereits Komplikationen vor, wie z.B. ein Darm­­ver­­schluss, ein Darmdurchbruch oder ein Abszess, kann die­se Methode oft nicht mehr gewählt werden. Auch im akuten Ent­zün­dungs­schub muss häufig von dieser Tech­­nik abgesehen werden.

Bei der Schlüssellochoperation liegt der Patient in Rü­­cken­­­­­­la­ge auf dem Ope­­ra­­­tions­tisch, die Beine auf Stüt­zen ge­lagert. Nach gründ­li­cher Des­in­fek­­­tion des Ope­­ra­tions­­fel­des und nach Abdecken mit ste­rilen Tü­­­­­­chern öff­­net der Chi­­rurg die Haut im Na­bel ca. ein bis zwei Zen­­timeter und sticht dann mit einer spe­­­­­ziel­len stump­­­­­­­fen Nadel (Veress-Nadel) in den Bauch­­­­­­­raum. Mit einer Spritze und et­was Koch­­­­­­­salz­­lösung wird anschlies­send ge­­tes­­tet, ob kein Blutgefäss ge­trof­­­­­fen wur­­de und ob tat­säch­lich Luft im Bauch ist. Über die Ve­­ress-Nadel wird nun mit einer Pumpe Koh­­­len­dio­­­xid in die Bauch­­höh­­le gepumpt. Dies bewirkt, dass sich die Bauch­de­cke von den in­­ne­ren Or­ga­­nen ab­­­­­hebt und da­durch ein Raum geschaffen wird, in dem mit den In­­stru­­men­ten ge­arbeitet werden kann. Nach­­­folgend wird über den Haut­­­schnitt am Na­­bel eine Hül­­­se in die Bauch­­höh­­­le vor­­­ge­scho­­ben und durch diese eine kleine Ka­­me­ra mit Licht in den Bauch­­­­raum ein­gelegt.
 

Darm

 
In drei weitere klei­ne Haut­­schnit­­­te von fünf bis zehn Mil­­­li­me­­tern wer­den un­ter Ka­­me­­­ra­kon­trol­le nochmals drei sol­cher Füh­rungs­hül­sen ein­­­ge­­­bracht. Über diese zusätzlichen Zu­­gänge können nun Ar­­beits­­in­stru­­men­te, wie z.B. Zan­­gen und Ultraschalldissektoren, ein­ge­führt wer­den.

In einem ersten Schritt werden Aufhängebänder oder Ver­­­wachsungen (Adhäsionen) durchtrennt, und der er­krank­­­te Darm­­ab­schnitt wird freipräpariert. Danach erfolgt die Durchtrennung des Darms un­ter­halb des erkrank­­­ten Bereiches mit Hilfe eines laparoskopischen Klam­­­mernahtgerätes (Abb. 9).

Darmoperation

 
Der Darmanteil mit dem er­krank­­ten Darmgewebe wird in einen kleinen sterilen Plastikbeutel gepackt und über einen Zu­gang an der Schamhaargrenze vor die Bauchde­cke gebracht. Danach wird der er­­krank­te Darmabschnitt durch­trennt und entfernt (Abb. 10).

Darm Stück

 
In einem nächsten Schritt wird der Kopf eines Klam­mer­­­­naht­ge­rä­tes in das verbliebene, gesunde Stück Darm eingeführt, das vernäht und wie­der in der Bauchhöh­­­le platziert wird (Abb. 11).

Dickdarm

 
Jetzt müssen die beiden Darmenden wie­der an­­ein­an­der­­­gefügt werden. Hierfür wird ein spezieller Nahtapparat über den Af­ter ein­geführt, der das in der Bauchhöhle liegende Kopfstück fasst und mit Klammern ver­näht (Abb. 12).

An­schliessend kann noch getestet werden, ob die neu ge­­­schaffene Ver­bin­dung auch dicht verschlossen ist. Da­­­zu wird ein blauer Farbstoff vom Anus her in den Darm gespritzt. Sieht man keinen Austritt von blauer Flüs­­­­sig­keit in die Bauch­höhle, so ist die Verbindung dicht. Als letzter Schritt müs­sen nun alle Bauch­schnit­te wie­­der schichtweise geschlossen werden.

Die Chirurgie bei einer akuten Divertikulitis ist etwas dif­­­ferenzierter zu betrachten. Führt eine Di­ver­ti­kulitis zu einer Zerstörung der Darmwand und zu einer ausgedehn­­­ten Infektion durch Kot in der Bauch­­höhle, muss der Patient notfallmässig operiert werden. In dieser Si­tua­­tion muss der Chirurg ent­schei­­den, ob er nach Entfer­­nung des kranken Dickdarmabschnittes den Darm so­­­fort wieder ver­nähen darf oder nicht. Bei einer Entzün­­dung des Bauchraums ist die Ge­fahr einer schlecht hei­­lenden Darmnaht mit einer mögli­chen Nahtleckage gross. In dieser Situation stehen dem Chirurgen zwei Mög­­­lich­kei­ten offen: Er entfernt den kranken Dickdarm und leitet das obere Ende vo­rüber­ge­hend über die Bauch­­decke als künstlichen Dickdarmausgang ab und ver­­schliesst das untere En­de. Man spricht hier von einem Ko­lostoma.

Der Darm wird vorübergehend nicht wieder in sei­­ner Kontinuität hergestellt. Der Pa­­tient kann sich erholen und man war­tet ab, bis die Ent­­zün­dung im linken Unterbauch aufgehört hat. Nach et­­­wa drei Monaten wird erneut operiert, wobei das Kolo­­­sto­ma zu­rück­ver­la­gert wird und die Enden des Dickdarms wieder aneinander genäht wer­den.

Bei der zweiten Möglichkeit fügt der Chirurg nach der Re­­­sektion die Darmabschnitte wieder an­ein­an­der, entlas­­­tet diesen Abschnitt aber, indem er weiter oberhalb den Darminhalt über einen künstlichen Dünndarmausgang ab­lei­tet. Hier wird das Stoma ebenfalls nach Rück­­­gang der Infektion in einer zweiten Operation zurück­­ver­lagert. Im Vergleich zur ersten Variante ist dieser Eingriff wesentlich kleiner.
 
 
 

Was geschieht nach der Behandlung?

Patienten mit einem schweren Krankheitsverlauf werden nach einer Operation zu­nächst zur Überwachung auf die Intensivstation verlegt. Dort erhalten sie weiterhin An­ti­­biotika, eine bilanzierte Infusionstherapie und ausreichend Schmerz­mittel. Die wichtigs­­ten Blutwerte werden hier bei Bedarf kontrolliert.

Ist der Patient stabil, wird er nach kurzer Zeit auf die Station verlegt. In der Regel darf er nach ein bis zwei Tagen schluckweise wie­der trinken. Da der Chirurg in einem Be­reich operiert hat, der häufig Ent­zün­dungen zeigte, ist er mit der Belastungsprobe der neu­­en Darmnaht eher zu­rückhaltend. Das heisst, dass der Nahrungsaufbau erst etwa am vierten Tag mit flüssiger Kost beginnt, und dass ein langsamer Kostaufbau über Sup­­pe erfolgt. Der Patient wird früh mobilisiert und erhält Atem­gym­nastik. Etwa am sechs­ten Tag, bei komplikationslosem Verlauf auch früher, kann der Patient das Spi­tal ver­lassen. Patienten, die intraoperativ mit einem Stoma versorgt wur­den, lernen unter An­leitung eines Stomabera­ters den notwendigen Um­gang mit Hygiene und Materialien.

Prinzipiell haben Patienten nach einer erfolgreichen Operation ohne Kom­pli­ka­tio­nen nichts Spezielles zu beachten. Es kann eine gewisse Zeit brauchen, bis sich ein norma­­­ler, weicher Stuhlgang wieder eingestellt hat. Wichtig ist eine bal­laststoffreiche Er­näh­­rung, genügend Flüssigkeitszufuhr und ausreichende Be­wegung. Eine einschrän­ken­­­de Diät muss nicht eingehalten werden.
 
 
 

Historisches

Noch vor 150 Jahren starben etwa zwei Drittel der Patienten mit Ein­ge­wei­de­­­­­ope­ra­tio­nen. Selbst bei kleinen Eingriffen wie Finger- und Ze­hen­am­pu­­ta­tio­nen starben 10% der Patienten. Gründe für diese hohe Sterb­lich­keit waren die fehlende Anästhesie, die An­tisepsis und das Problem des "Schocks". Dieses letzt­genannte Phänomen wird bei­spiels­weise durch einen hohen Blutverlust oder durch eingeschwemmte Bakterien ver­ur­sacht und kann tödlich enden. Erst nach bahnbrechenden Entdeckungen, die bis heu­te das fes­te Fun­da­ment eines jeden grösseren Baucheingriffs bil­den, wurden die Re­sultate besser. 1844 erfolgte die erste Narkose mit Lachgas durch Horace Wells und 1901 ent­deck­te Karl Land­steiner die Blut­­gruppen des Menschen. Dies eröffnete zum ersten Mal die Mög­lichkeit, bei gros­­sen chirurgischen Operationen Blutübertragun­gen vor­zu­neh­­men und den Blu­tungs­schock erfolgreich zu behandeln. Die grösste Er­run­gen­schaft war je­doch die Erkenntnis von Ignatz Philipp Semmelweiss, dass die da­mals meist töd­­lich verlaufenden Wundinfektionen, v.a. das Kind­­bett­fie­­ber, ihre Ur­sa­­che in mangelnder Hygiene von Händen und Instrumenten hat­­ten. Bis da­hin war eine gründliche Händedesinfektion in Spitälern völlig un­be­kannt. Ärzte und Pfle­gende trugen, ohne es zu wissen, die Bakterien von einem Patienten zum anderen. Lei­der war Semmelweiss seiner Zeit zu weit voraus, sodass seine Appelle zur Hän­­­de­des­infektion mit Karbolsäure, trotz belegter Wirk­sam­keit von Luis Pas­teur, dem be­rühm­ten Entdecker der Bakterien, zunächst nicht ernst ge­nom­men wurden.

Der Chirurg Joseph Lister aus Glasgow war es, der die Ideen von Sem­­melweiss aufnahm und 1867 in seiner Klinik mit Erfolg um­setzte: Vor Ope­ra­­tionen wurden die Hände der Chirurgen mit kar­bol­hal­ti­ger Seife gewaschen, und es wurde eine karbolhaltige Lö­­sung während der Ope­ration über dem Ope­rationsgebiet zerstäubt. Damit sank die Zahl der töd­li­chen Komplikationen nach Operationen deutlich. Im Zuge dieser Er­kennt­nis­­­se entstanden dann Ope­rationssäle, die nur noch mit Haube und Mundschutz be­tre­­ten werden durf­ten, sodass die ersten grossen, dann auch aseptisch durch­ge­führ­ten bauch­chirurgischen Eingriffe ab 1880 erfolgreicher waren.

Exem­plarisch für die Aufbruchstimmung in der Bauchchirurgie unter diesen neuen Be­­din­­gun­gen ist die Arbeit des Chirurgen Professor Ulrich Kroenlein, der seit 1881 am Uni­­versitätsspital Zürich arbeitete und lehrte. Er setzte im Spi­tal die neu­en Hygienevor­­stellungen in Massnahmen um, indem er Böden ka­cheln, Bett­ge­stelle aus Holz ent­fer­nen und einen neuen Operationssaal in Form eines Am­phitheaters (Studentenun­ter­richt) bauen liess. Kroenlein ope­rier­te als einer der ersten Chirurgen akute Blinddarm­­entzündungen und be­fass­te sich mit der The­rapie der eitrigen Bauchfellentzündung, eine Komplikation, die insbesondere nach Darm­ver­let­zungen auftritt.

Um solche Bauchfellentzündungen durch schlechte Darm­näh­te (Anas­to­mo­sen) zu ver­meiden, rangen zu dieser Zeit zwei andere, be­rühm­te Chirurgen um neue Nahttech­­niken in der Darmchirurgie, so Theodor Ko­cher und Vinzenz Czer­ny. "Die Darmre­sek­­tion ist zu einem ausserordentlich wich­tigen und ver­hält­nismässig häufigen chirurgi­­schen Eingriff geworden, durch dessen kor­rek­te Ausführung der Chirurg manches sonst unrettbar ver­lo­re­ne Leben erhalten kann." schreibt Theodor Kocher 1894 und stellt damit seine fortlaufende Darm­naht vor (Boschung U.: Meilensteine in der Geschich­­te der intestinalen Anas­tomose. Swiss Surg 2003; 9: 99-104). So führte Sir Er­nest Miles schon 1907 die erste radikale abdominoperineale Resektion bei einem End­­­darm­kar­zi­nom durch, ein grosser Eingriff, bei welchem Dickdarm und Enddarm ganz ent­fernt wurden.

Für die Entfernung des divertikeltragenden Anteils der Sigmaschlinge wurden die Resul­­tate v.a. dann gut, als die Spülung des Darms vor der Operation, die konsequente An­tibiotika-Abga­be und die neuen Nahttechniken mit den heutigen modernen Nahtmate­rialien eingeführt wurden. Ein grosser Schritt zu kleinen Komplikationsraten, kurzen Spi­talaufenthal­ten und guten postoperativen Resultaten wurde durch die erst kürzlich ein­geführte minimalinvasive la­paroskopische Sigmaresektion erreicht. Zusammen mit dem Kon­zept der "fast track"-Chirurgie (schonende, für die Patienten wenig belastende Chirurgie) wurde die Sigmaresektion für die Divertikel­krankheit heute eine sichere Chi­rurgie mit geringen Komplikationsraten.
 
 
 

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