Wo liegt die Leber?
Wie funktioniert die Leber?
Die häufigsten gutartigen Lebertumore
Der Blutschwamm (Hämangiom)
Leberzysten
Echinokokkus Zysten
Gutartige Neubildungen der Leber
Leberzelladenom
Fokal Noduläre Hyperplasie
Wie erkenne ich gutartige Lebertumore?
Notwendige Abklärungen und diagnostische
Möglichkeiten
Wie kann ein gutartiger Lebertumor
behandelt werden?
Was geschieht nach der Behandlung?
Auf was muss im zukünftigen Alltag
geachtet werden?
Historisches
Gutartige Lebertumore
Wo liegt die Leber?
Mit einem durchschnittlichen Gewicht von eineinhalb Kilogramm
und einem Volumen von drei Litern ist die Leber eines der
grössten und wichtigsten Organe des Menschen. Sie liegt
zu 3/4 im rechten Oberbauch, und ihre Gestalt ähnelt einer
schiefen, dreiseitigen Pyramide. Oben ist sie mit dem Zwerchfell
verwachsen und senkt sich deshalb bei der Ausatmung nach
unten, was sich der Arzt zunutze machen kann, wenn er den
Unterrand der Leber abtasten und abgrenzen will. An der
Leberunterseite drücken sich die Gallenblase und die untere
Hohlvene so tief in das Gewebe ein, dass es eine asymmetrische,
äusserliche "Leberteilung" in einen kleinen linksseitigen
und einen grossen rechtsseitigen Anteil gibt
(Abb. 1).
Dieses äussere Bild kontrastiert jedoch stark mit der sehr
symmetrischen inneren Gliederung der Leber, die seit Claude
Couinaud in acht Segmente (Teilstücke) eingeteilt wird.
Die innere Symmetrie ergibt sich aus der regulären Zuteilung
von je einer Vene, einer Arterie und einem Gallengang zu
jedem der acht Segmente. Zufluss erhalten diese Gefässe
von der "Leberpforte", die an der Unterseite der Leber gelegen
ist. Dort treten die grosse zuführende Vene und Arterie
in die Leber ein. Die Vene bringt sauerstoffarmes, aber
eiweissreiches Blut aus der Darm- und Magenregion mit, damit
dieses durch den "Leberfilter" strömt und dabei entgiftet
wird. Sofort nach dem Eintritt teilt sich die Pfortader
in einen linken und rechten Ast. Beide Äste teilen sich
weiter auf und bilden den portalen Gefässbaum der Leber.
Die Arterie versorgt das Lebergewebe mit sauerstoffreichem
Blut, teilt sich ebenfalls mehrfach auf und bildet den arteriellen
Gefässbaum der Leber. Nach der Leberpassage fliesst das
Blut über den dritten Gefässbaum, das heisst über die grossen
Lebervenen in die untere Hohlvene und in Richtung Herz weiter.
Gleichzeitig wird die in den Leberzellen produzierte Gallenflüssigkeit
im Bereich der Leberpforte in Gegenrichtung aus der Leber
heraustransportiert, in der Gallenblase zum Teil bevorratet
und zur Verdauung der Nahrung über den Zwölffingerdarm ausgeschieden.
Dieser komplexe, innere Aufbau der Leber bringt auch heute
noch hoch qualifizierte Leberchirurgen operativ an ihre
Grenzen, wenn sie bei einer ausgedehnten Tumordurchsetzung
der Leber versuchen, ein kleines Stück des gesunden Gewebes
zu retten, um dem Patienten eine optimale chirurgische Therapie
zukommen zu lassen.
Wie funktioniert die Leber?
Die Leber als Blutfilter zwischen Darm und dem Rest des
Organismus übernimmt vielfältigste und komplexe Aufgaben
im Stoffwechsel des Menschen. Sie stellt selber wichtige
Substanzen her (Blutgerinnungsstoffe und Cholesterin), hält
das Gleichgewicht vieler Stoffe (Zucker, Fette, Hormone,
Vitamine) und hilft Medikamente, Abbauprodukte und Giftstoffe
des Körpers auszuscheiden. Ausserdem ist sie als grösste
Drüse für die Produktion und Abgabe von Gallenflüssigkeit
zuständig und damit entscheidend an der Fettverdauung im
Darm beteiligt. Folglich hat eine Funktionseinschränkung
des Lebergewebes, bedingt durch Tumoren oder Entzündungen,
mehr oder weniger gravierende Folgen: Der Zuckerstoffwechsel
kann entgleisen (Unterzuckerung), Eiweisse werden nur ungenügend
produziert (Blutgerinnungsstörungen, Bauchwassersucht),
und die Gallensalze und Gallenfarbstoffe werden nur ungenügend
entfernt (Juckreiz und Gelbfärbung der Haut). Eine der wichtigsten
Eigenschaften der Leber ist jedoch ihre enorme Fähigkeit
zur Regeneration: Muss man im Rahmen einer Leberteilentfernung
erhebliche Mengen (bis zu 75% maximal) an Lebergewebe entfernen,
so wird man nach einiger Zeit eine kompensatorische Lebervergrösserung
der Restleber feststellen. Hierbei kommt es unter dem Einfluss
von Botenstoffen zu einer Vermehrung der Leberzellen einerseits,
aber auch zu einer deutlichen Zellvergrösserung der bestehenden
Leberzellen andererseits.
Die häufigsten gutartigen Lebertumore
Wie in jedem Organ können in der Leber Neubildungen auftreten,
die aus sich aus organeigenen Zellen bilden. Diese können
gutartig oder bösartig sein. In dieser Patienteninformation
werden gutartige Veränderungen besprochen (Bösartige Lebertumore
siehe separate Information). Andere häufige gutartige Neubildungen
oder Veränderungen der Leber sind der Blutschwamm (lateinisch
Hämangiom), der aus Auskleidungen von Blutgefässen besteht,
die Leberzysten, welche aus einer Zystenwand und flüssigem
Inhalt bestehen sowie die Zystenleber. Ein ganz spezielles
Problem stellen Zysten dar, die vom Parasiten leberegel
(Echinococcus) verursacht werden. Bei ungefähr 9% der Bevölkerung
wird durch Zufall bei einer Ultraschalluntersuchung der
Leber ein gutartiger Tumor festgestellt. Die Benennung der
gutartigen eigentlichen Lebertumoren hängt von den verschiedenen
Zellen ab, aus welchen der Tumor besteht. So unterscheidet
man beispielsweise die Leberzellen selbst (Hepatozyten),
die Zellen der Gallengänge oder die so genannten Stütz Zellen.
Der Blutschwamm (Hämanigom)
Der häufigste gutartige Lebertumor ist der Blutschwamm,
lateinisch Hämangiom (Abb.
3, 4 und 5), der durch eine Vermehrung der Stützzellen
der Blutgefässe entsteht und zwischen mehreren Millimetern
und einigen Zentimetern gross sein kann. Hämangiome zeigen
sich in der Leber als gut abgrenzbare Struktur innerhalb
des Lebergewebes, häufig auch am Rand des Lebergewebes,
von dem aus sie sehr gross werden können und als rundliche
Gebilde in den Bauchraum hinein ragen. Häufig werden sie
von einer dünnen Kapsel aussen umschlossen und gegen das
normale Lebergewebe durch eine Trennschicht begrenzt, aus
der sie relative einfach operiert werden können. Sind sie
grösser als 9 cm werden sie Riesenhämangiome genannt. Hämanigome
sind wahrscheinlich angeboren und wachsen nicht weiter.
Sie entarten auch nach langer Beobachtung nicht und müssen
nur behandelt werden, wenn sie wegen ihrer Grösse zu Beschwerden
(Druckgefühl) führen.
Nur ganz selten werden aggressive wachsende bösartige Hämangiome
gefunden, die dann Hämanigoenothelio-Sarkom genannt werden.
Leberzysten
In der Leber können wie in anderen Organen wie der Niere
auch Zysten gefunden werden
(Abb. 6, 7 und 8)
Eine Zyste, weist eine dünne Kapsel auf, die mit einem
Endothel (innere Schicht) ausgekleidet ist, welche eine
Flüssigkeit absondert. Die Zystenflüssigkeit bläht die Zyste
wie einen Ballon auf, was Zysten meistens eine rundliche
kugelige Form gibt, die auch im Computertomographen gut
zu sehen ist (Abb. 9a und 9b). Zysten werden sehr häufig
bei Routineuntersuchungen mit dem Ultraschall gefunden und
sind bis zu einer Grösse von sechs bis neun Zentimetern
belanglos. Wahrscheinlich sind Zysten angeborene Fehlbildungen,
die völlig belanglos sind. Erst wenn sie über neun Zentimeter
gross sind, effektiv Schmerzen verursachen oder an Grösse
zunehmen, müssen sie operativ behandelt werden. Neben diesen
sogenannt simplen Zysten gibt es auch komplizierte Zysten.
Sie werden so bezeichnet, weil ihr Inhalt im Ultraschall
oder CT nicht klare Flüssigkeit als Inhalt zeigt, sondern
Unterteilungen durch Septen, Einblutungen oder weil ihr
Inneres einen undefinierbaren Inhalt aufweist (Abb. 9a und
9b). Hier ist die Differenzialdiagnose zu anderen eventuell
gefährlicheren Leber Krankheiten wichtig. Einfache Zysten
sind aber mit bildgebenden Methoden relativ einfach nachzuweisen.
Eine spezielle, vererbliche Krankheit ist die Zystenleber.
Bei dieser Krankheit ist das Lebergewebe diffus von vielen
grösseren und kleineren Zysten durchsetzt. Zystenlebern
können grotesk gross werden und den Betroffenen meistens
mechanische Probleme verursachen mit Schmerzen und Verdauungsproblemen.
Diese Krankheit betrifft nicht nur die Leber sondern auch
die Nieren, die ebenfalls mit Zysten so stark durchsetzt
sind, dass über die Zeit keine genügend grosse Nierenfunktion
mehr besteht. Bei Schmerzen, mechanischen Störungen und
Verdauungsstörungen können diese Zysten – oft laparoskopisch
- verkleinert werden, indem die frei an der Oberfläche liegenden
Zystendächer entfernt werden.
Echinokokkus Zysten
Der Vollständigkeit halber müssen die zystischen Tumoren
der Leber genannt werden, die durch den Hunde- und Fuchsbandwurm
(lateinisch Echinococcus) hervorgerufen werden. Man spricht
hier auch von zystischen (E. cysticus) und alveolären (E.
alveolaris oder multilocularis) Echinokokkosen. Sie sind
in einem CT oft gut sichtbar
(Abb. 10, 11 und 12).
Diese Erkrankungen sind Zoonosen, das heisst eigentlich
Erkrankungen der Wirbeltiere (z.B. von Schafen), die aber
auf den Menschen übertragen werden können, weil dieser bei
Infektion als zufälliger Zwischenwirt im Entwicklungskreislauf
der Bandwürmer auftritt. Bei der Infektion durch den Hundebandwurm
bildet sich in der Leber oder Lunge des Menschen aus der
aufgenommenen Larve eine Wasserblase, die von einer Kapsel
umschlossen ist. Die Larven des Fuchsbandwurmes durchsetzen
dagegen die Leber mit vielen haselnussgrossen Bläschen und
zerstören oder verdrängen das gesunde Gewebe. Die Flüssigkeit
in diesen Blasen enthält wiederum Larven, was für die chirurgische
und chemotherapeutische Therapie eine grosse Herausforderung
ist, da diese Blasen nicht platzen dürfen, um eine Ausbreitung
der Infektion zu verhindern
(Abb. 13 und 14).
Die Zysten, die durch den E. cysticus gebildet werden,
können meistens relativ einfach operativ entfernt werden,
in dem ihr Inhalt mit hochprozentiger Kochsalzlösung abgetötet
wird. Anschliessend werden die toten Echinokokken (lat.
Scolices) abgesaugt. Sehr hilfreich ist der Ulmer Trichter
(Abb. 15), durch den
abgesaugt wird ohne dass Inhalt der Zyste im Bauchraum verstreut
wird.
Der E. alveolaris hingegen wächst praktisch wie ein bösartiger
Tumor mit vielen kleineren und grössere Zysten an verschiedenen
Orten der Leber aber auch an anderen abdominalen Stellen
bildet.
Diese Echinokokken müssen ebenfalls mit einer Operation
behandelt werden (Abb. 16,
17, 18, 19, und 20), die sehr schwierig verlaufen
kann, da der Parasit in die Gallenwege und Gefässe einwachsen
kann und oft nur sehr schwer zu entfernen ist. Beide Parasitenarten
können neben den bildgebenden Methoden auch mit mit speziellen
Bluttests nachgewiesen werden. Der E. alveolaris muss nicht
nur operiert sondern vor und nach einer Operation mit einem
speziellen Medikament (Mebendazol) vor- und nach behandelt
werden.
