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Magengeschwür und Magenkrebs

Wo liegt der Magen?

Die aufgenommene Speise erreicht beim Menschen über Mund, Rachenraum und Speiseröhre den Magen, der sich im mittleren Oberbauch zwischen der Le­­ber auf der rechten Seite und der Milz auf der linken Seite befindet. Der Über­gang von der Speiseröhre zum Eingang des Magens liegt circa zwei bis drei Zentimeter unterhalb des Zwerchfells und wurde schon zu Zeiten von Hip­­pokrates als "Kardia" bezeichnet. Diese Übergangszone übernimmt eine wich­­tige Barrierefunktion zwischen der unteren Speiseröhre und dem Ma­gen­ein­­gang, um das Zurückströmen von Speisebrei und Magensäure in die Spei­se­­röhre zu verhindern. Der Magen selbst hat etwa die Form einer Bohne, wo­bei die lange Seite der Wölbung linksseitig der Milz zugewandt ist, die kurze Sei­te sich rechts der Leber anschmiegt und nach hinten in Richtung Wir­bel­säu­­le das zarte Bauchspeicheldrüsengewebe bedeckt. Ein ausgedehntes Ge­flecht von zum Teil kräftigen arteriellen Gefässen versorgt das Magengewebe. Dem Mageneingang folgt der eigentlich grösste Anteil dieses Organs, der Kör­per ("Corpus") und der Boden ("Fundus"). Es schliesst sich der Magenausgang ("Antrum") an, der in den Zwölffingerdarm mündet. Diese Übergangsstelle heisst "Pylorus" oder "Pförtner". Der Magen selbst ist von einer kräftigen Ring­­muskelschicht umhüllt, die für die kräftige Durchmischung des Spei­se­breies verantwortlich ist. Die innerste Schicht der Magenwand bildet die Ma­gen­­­schleimhaut, die aus unterschiedlichsten Zelltypen besteht, in denen je­weils charakteristische Substanzen, vor allem aber Magensäure produziert wer­­den, die in die chemische Verarbeitung der Speise eingreifen oder etwa Schleim für den natürlichen "Magenschutz" abgeben.  
 
 
 

Wie funktioniert der Magen?     

Der Magen ist ein Speicherorgan, in dem die aufgenommene Speise durch che­­mische Bearbeitung aufgeschlossen wird, damit anschliessend im Zwölf­fin­ger­­darm durch die Zugabe von Galle und Bauchspeicheldrüsensaft wichtige Sub­­stanzen wie Fette, Eiweisse und Zucker vom Körper aufgenommen werden kön­­nen. Der Magen produziert pro Tag ungefähr drei Liter überwiegend sehr sau­­res Magensekret. Dieses enthält unter anderem Pepsin und wichtige Hor­mo­­ne (Gastrin und Somatostatin), die auf die komplexe Regulierung der Säu­re­­produktion einwirken. Auch unser Nervensystem hat Einfluss auf die Abgabe von saurem Magensaft aus den entsprechenden Zellen: Durch Riechen oder Schme­cken von Speisen aber auch durch Stressfaktoren wird der Vagusnerv ak­­tiviert und löst seinerseits im Magen eine Magensäureabgabe aus. Andere Zel­­len der Magenschleimhaut geben kontinuierlich Schleim ab und schützen da­­durch die Schleimhaut ihrerseits vor der Magensäure. Alkohol und Kaffee sti­­mulieren die Säureabgabe im Magen, Schmerzmittel jedoch reduzieren die Ab­­gabe an schützendem Magenschleim, so dass die Balance von Säure und Schleim gestört werden kann. Die überschüssige Säure und/oder die man­geln­­de Schleimproduktion sind, neben Helicobacter pylori, Ursachen einer Ma­gen­­schleimhautentzündung oder von Magengeschwüren. Seit 1982 weiss man, dass das in der Schleimhaut sitzende Bakterium Helicobacter pylori bei über einem Drittel der Patienten mit "Magenbeschwerden" bei der Entstehung von Magengeschwüren eine erhebliche Rolle spielt. Inzwischen gibt es auch Hin­­weise darauf, dass die Anwesenheit dieses Bakteriums das Risiko, an einem Magenkarzinom zu erkranken, deutlich erhöht. Deshalb besteht die kon­­sequente Therapie bei gastroskopisch nachgewiesenen Magengeschwüren und vorhandenem Bakterium in einer sowohl antibiotischen als auch säu­re­hem­­menden Therapie.   
 
 
 

Die häufigsten Erkrankungen des Magens

Die meisten Patienten, die mit erheblichen Magenbeschwerden einen Arzt auf­su­­chen, haben eine chronische oder akute Magenschleimhautentzündung (Gas­­tritis), die durch falsche Ernährung, Schmerzmittel, Alkohol, Stress und/oder bakterielle Besiedlung mit Helicobacter pylori ausgelöst wurde. Nach ent­­spre­chender Diagnostik (Magenspiegelung, Bakteriennachweis) sowie ein­ge­­lei­teter medikamentöser Therapie, zum Beispiel mit Säurehemmern und An­­ti­bio­tika, ist die Gastritis schnell heilbar und bleibt in der Hand des Gas­tro­en­­te­ro­logen. Kommt es zu einem tieferen Schleimhautdefekt (Ulcus), ist eine Ver­let­zung von in der Magenwand verlaufenden Blutgefässen möglich, wobei es zu lebensbedrohlichen Blutungen kommen kann. Auch hier steht zu­nächst die konservative Therapie im Vordergrund, so mit der Durchführung einer Ma­gen­spiegelung und gleichzeitiger Blutstillung im Bereich des Defektes wie auch mit der Gabe von Säurehemmern und Antibiotika. In der Krebstodesursachenstatistik steht das Magenkarzinom an vierter Stelle beim Menschen. Obwohl sein Vorkommen in den letzten Jahren im unteren Drit­­tel des Magens deutlich rückläufig ist, sind die Karzinome im Bereich des Ma­­geneingangs ansteigend. Die Ursachen und Risikofaktoren, ein Ma­genkar­zi­nom zu entwickeln, werden wie folgt diskutiert: Familiäre Häufung des Kar­zi­noms, chronische Gastritis und Infektion mit Helicobacter pylori sowie ein Säu­­remangel des Magens. In den meisten Fällen handelt es sich von der Ge­we­­beart her um einen Tumor, der von den Drüsenzellen abstammt (Ade­no­kar­­zinom) und den man medizinisch korrekt als primären bösartigen Tumor des Magens bezeichnen würde. Bei ausreichender Grösse kann dieser Tumor Ab­­siedlungen abgeben, so genannte Metastasen, die sich ferner in der Leber fest­­setzen können.  
 
 
 

Wie erkenne ich eine Magenerkrankung?

In der Regel wird ein Patient mit immer wieder auftretenden oder dauerhaft an­­haltenden Magenschmerzen, Appetitlosigkeit, Sodbrennen, Übelkeit, Er­bre­chen oder Völlegefühl einen Hausarzt aufsuchen. Die Symptome können in sehr unterschiedlicher Ausprägung, allein oder in Kombination auftreten und ge­­ben dem Arzt keinerlei Anhalt bezüglich der Art und Schwere der Er­kran­kung. Über die Hälfte aller Patienten mit "Magenbeschwerden" haben Be­schwer­­den ohne organisch fassbare Ursachen. Dennoch müssen andere Er­kran­­kungen zunächst sorgfältig ausgeschlossen werden.  
 
 
 

Notwendige Abklärungen und diagnostische Möglichkeiten

Leider beschreiben Patienten mit einer akuten Gastritis, einem Ma­gen­ge­schwür oder einem Magenkarzinom oft sehr ähnliche Beschwerden. Eine sorg­fäl­­tige Befragung und Untersuchung vom Facharzt zur genauen Dia­gno­se­stel­lung ist deshalb unerlässlich. Wichtig ist eine genaue Erhebung der Anamnese mit Fragen nach familiären Erkrankungen, nach Alkohol- und Ni­ko­tin­ge­wohn­hei­­ten und nach dem Gebrauch von Schmerzmitteln. Zur Diagnosestellung ist es für den Arzt auch bedeutsam zu erfahren, ob es einen Zusammenhang beim Patienten zwischen Nahrungsaufnahme und Schmerzentstehung oder Schmerz­­linderung gibt, ob der Patient deutlich an Gewicht verloren hat oder ob er eine Leistungsminderung beobachtet hat. Dann sollte eine gründliche kör­­per­li­che Untersuchung folgen, die vor allem auch ein Abtasten des Bauches be­­in­hal­tet um zu klären, ob es Organvergrösserungen oder auch punktuell aus­­lös­ba­re Schmerzen gibt. Eine Blutuntersuchung gehört mit zur Ba­sis­dia­gnos­tik, da­mit beispielsweise Lebererkrankungen ausgeschlossen und even­tuell eine er­wartete Blutarmut bestätigt werden kann. Hat ein Patient ein blu­ten­des Ma­gen­geschwür, muss er natürlich notfallmässig diagnostiziert und be­han­delt wer­den. Das Grundprinzip des Vorgehens bleibt jedoch ungefähr gleich: Ist es aus der Anamnese indiziert, wird eine Magenspiegelung beim Pa­tienten vor­ge­nom­men mit 
 

  • Aufsuchen des Geschwürs, der entzündeten Schleimhaut oder der Blu­tungs­quelle, und mit
 
  • einer Gewebeentnahme zum Nachweis des Helicobacter pylori und/oder von Tumorzellen.
 
Selten ist eine Röntgenuntersuchung des Magens mit Kontrastmitteln zu­sätz­lich erforderlich. Besteht der Verdacht, dass es sich bei einem Befund um ein Ma­­genkarzinom handelt, wird, je nach Befund, die Diagnostik erweitert. CT, MRI oder Sonografie des Bauches werden notwendig, um die Tu­mor­aus­deh­nung, die Lymphknoten und das Gewebe der Leber zu beurteilen.  
 
 
 

Wie kann ein Magengeschwür und ein Magenkarzinom behandelt werden?

Wird bei einer Gastroskopie eine Blutung gesehen, ganz gleich, ob es sich um eine diffuse Schleimhautschädigung oder um ein punktuelles Geschwür han­delt, versucht der Facharzt, die blutende Schleimhaut mit gefässverengenden Sub­­stanzen zu unterspritzen. Gleichzeitig werden dem Patienten über die Ve­ne hoch dosierte, säurehemmende Medikamente verabreicht. Nimmt eine Blu­tung dennoch ein bedrohliches Ausmass an oder findet sich im Bereich des Ge­­schwürs ein "Loch" in der Magenwand mit Verbindung zur Bauchhöhle, muss der Patient notfallmässig operiert werden.

Das Prinzip der Operation (Bill­roth II Magenresektion) besteht in der Entfernung der unteren zwei Drittel des Magens, in welchen am häufigsten Geschwüre oder gleichzeitig diverse Schleim­­hautdefekte auftreten. Die Operation kann in zwei Phasen unterteilt wer­­den: 

  1. Entfernung der unteren zwei Drittel des Magens mit Durchtrennung der Ver­­bindung zum Duodenum 

  2. Seit-zu-Seit-Verbindung eines Dünndarmabschnittes mit dem Magenstumpf

Nach Vorbereitung und Einleitung der Narkose erfolgt der Zugang zur Bauch­höh­­le über einen Schnitt, der senkrecht vom unteren Ende des Brustbeins zum Nabel führt, gegebenenfalls diesen noch linksseitig umfährt. Nach Durch­tren­­nung der Bauchdecke und entsprechender Präparation wird der Zwölf­fin­ger­­darm vom Magen abgetrennt und als freies Ende blind verschlossen; er ver­­bleibt aber in seiner alten anatomischen Lage, damit im Bereich der Bauch­­spei­cheldrüse die Galle und das Bauchspeicheldrüsensekret weiterhin in das Duo­denum fliessen können. Um den guten Fluss des Speisebreis im Verdauungssystem zu gewährleisten, wird nun eine dem Zwölffingerdarm folgende Dünndarmschlinge vor oder hin­ter dem querverlaufenden Dickdarm hochgezogen, anschliessend eröffnet und Sei­te an Seite an den Magenstumpf angenäht. Damit die Sekrete aus dem Zwölf­­fingerdarm gut abfliessen können, wird etwa 30 Zentimeter unterhalb der neuen Magen-Dünndarmverbindung ein "Kurzschluss" zwischen Duo­de­num und Dünndarm geschaffen. Im Bereich der neuen Darm-Ma­gen-Ver­bin­dung wird eine Drainage gelegt und durch die Bauchdecke nach aus­sen ab­ge­lei­tet. Die Bauchdecke wird zum Schluss Schicht für Schicht ver­schlos­sen. In der Therapie des Magenkarzinoms steht in der Regel die chirurgische Be­hand­­lung im Vordergrund. Je nach Tumorausdehnung und Tumorlage in­ner­halb des Magens wird entweder nur ein Teil oder der ganze Magen (Totale Gas­­trektomie) zwischen der unteren Speiseröhre und dem Zwölffingerdarm ent­­fernt. Dabei werden auch alle dazugehörigen Lymphknoten he­raus­ge­nom­men und untersucht. Ob bei dieser Operation auch die Milz entfernt werden muss, die sich linksseitig dicht am Magen befindet, wird durch die Lage des Tu­­mors im Magen bestimmt. Sofern das Karzinom nicht direkt auf die Milz oder auf ihre Gefässe übergreift, soll nach heutiger Erkenntnis die Milz nicht ent­­fernt werden. Diese ausgedehnte Operation erfordert eine gründliche Vor­be­­reitung, eine eingehende Vorbesprechung mit dem Anästhesisten und even­tuell zusätzliche Herz- und Lungenuntersuchungen.
Der Operationsablauf bei der Totalen Gastrektomie besteht aus zwei Phasen:
 
  1. Vollständige Entfernung des Magens und der Lymphabflussgebiete

  2. Bildung eines Ersatzmagens (Ulmer Magen) aus Dünndarmschlingen
 
Der Zugang zur Bauchhöhle erfolgt über einen Hautschnitt, der vom Brustbein ab­wärts zum Bauchnabel verläuft. Danach werden vom Chirurgen alle Schich­ten der Bauchdecke durchtrennt und die Bauchhöhle sorgfältig mit der Hand aus­­getastet, um die Ausdehnung des Tumors sowie eine eventuelle Me­tas­ta­sie­­rung in die Lymphknoten und die Leber zu beurteilen. Das grosse Netz wird vom querverlaufenden Dickdarm gelöst und zum Magen hin zu­rück­ge­schla­gen. Danach werden der Zwölffingerdarm und der Magen einschliesslich des un­­teren Anteils der Speiseröhre freipräpariert, so dass im nachfolgenden Schritt der Magen im Bereich der Speiseröhre aber auch am Magenausgang (Py­­lorus) durchtrennt werden kann. Die rechtsseitige Magenschlagader wird kurz vor Eintritt in die Hauptschlager im so genannten "Truncus coeliacus", im Ur­­sprung der Schlagader für Milz, Leber, Bauchspeicheldrüse, Därme und Nie­ren, abgetrennt. In diesem Gebiet werden alle Lymphknoten entfernt. Dabei wer­­den die Kompartimente (Regionen) von Lymphknoten und Lymphgeweben ra­­dikal ausgeräumt und zusammen mit dem entfernten Magen zur his­to­lo­gi­schen Untersuchung (Schnellschnitt) gegeben. Jetzt folgt die operative Phase: Die Ersatzmagenbildung. Dazu wird ein Stück Dünndarm, das sehr nah am Zwölf­­fingerdarm gelegen ist, auf einer Länge von 60 Zentimetern frei­prä­pa­riert und durchtrennt. Das entnommene Dünndarmstück wird als Interponat ver­wendet. An einem Ende wird es auf einer Länge von zehn Zentimetern dop­pelt gelegt. Die jetzt aneinander lie­genden Darmwände werden eröffnet und mit Hilfe einer speziellen Naht­tech­nik so wieder zusammengefügt, dass hier ein neues Speicherorgan, der "Er­satzmagen", entsteht. Der Ersatzmagen wird am Scheitelpunkt eröffnet und mit der Speiseröhre vernäht. Dies ge­schieht entweder per Hand, ge­le­gen­tlich auch mit einem speziellen Naht­ap­pa­rat. Das andere Ende des In­ter­po­na­tes wird jetzt an den Zwölffingerdarm ge­näht, damit der Speisebrei wieder sei­nen gewohnten Weg nehmen kann. Im Be­reich der Nahtstellen zwischen Spei­seröhre und Ersatzmagen als auch der­je­nigen zum Zwölffingerdarm wer­den Drainagen gelegt, welche das Blut und die Wundflüssigkeit durch die Bauchdecke nach aussen ableiten. Die Bauch­de­cke wird Schicht für Schicht wieder ver­schlos­sen, und der Patient wird nach­fol­gend zur Überwachung auf die In­ten­siv­station verlegt. Diese etwas auf­wen­di­gere Rekonstruktion ist für den spä­te­ren Nahrungsaufbau wesentlich besser als eine einfache, so genannte Y-Roux-Dünn­darmschlinge.  
 
 
 

Was geschieht nach der Behandlung?

Der Patient bleibt ein bis zwei Tage auf der Intensivstation, auf welcher er bi­lan­­zierte Infusionen und eine Schmerztherapie erhält. Für die kommenden fünf bis sechs Tage darf er nichts essen und trinken, damit die frischen Naht­stel­­len zwischen Speiseröhre und Dünndarm sowie zwischen Dünndarm und Zwölf­­fingerdarm nicht gefährdet werden, denn eine "Undichtigkeit" an diesen Stel­­len bedeutet eine gravierende Komplikation im Heilungsverlauf. Dennoch soll der Patient vom ersten Tag an nach der Operation aufstehen und sich be­we­­gen. Gibt es keinen Hinweis auf eine Gefährdung der neuen Nahtstellen, darf der Patient zunächst trinken. Arbeitet der Darm zu diesem Zeitpunkt wie­der nor­mal, das heisst, dass der Arzt über sein Stethoskop Darmgeräusche hö­ren kann, erfolgt ein vorsichtiger Kostaufbau unter fachkundiger Anleitung der Er­näh­rungsberatung. Die Drainagen werden nach begonnenem Kost­auf­bau ge­zo­gen und die Hautfäden oder Klammern am zehnten Tag entfernt.    
 
 
 

Was muss im zukünftigen Alltag beachtet werden?

Die Entfernung grösserer Anteile des Magens, vor allem aber die Totale Gas­trek­­tomie bedeutet einen tiefen Eingriff und eine anhaltende Veränderung der ge­­samten Verdauungsabläufe des Magen-Darmtraktes. Dadurch, dass das Spei­­cherorgan Magen entweder verkleinert oder aber durch Dünndarm ersetzt wur­de, bewegt sich nun die aufgenommene feste oder flüssige Speise zu schnell vorwärts. Deshalb können eine Reihe von Symptomen beim Patienten ent­­stehen, die unter dem Begriff "Dumping Syndrom" zusammengefasst wer­den. Dazu gehören Durchfall, Übelkeit, Schwitzen, Unterzuckerung und Kol­laps­­neigung. Bei einer sehr zuckerhaltigen Mahlzeit kann es zum Beispiel ge­sche­­hen, dass die Glucose zu schnell über den Dünndarm-Ersatzmagen in die Blut­­bahn aufgenommen wird und eine hohe Insulinausschüttung bewirkt, die wie­­derum in der Gegenregulierung eine Unterzuckerung hervorruft. Oder es kommt nach der Nahrungsaufnahme zu einem schnellen Flüssigkeitseinstrom in den Darm, der das zirkulierende Blutvolumen vermindert und beim Pa­tien­ten einen Kollaps auslösen kann. Beim Magen-Interponat geschieht dies viel sel­­tener, da die Nahrungspassage wie gewohnt über den Zwölffingerdarm ver­läuft. Wichtig für die Patienten ist die Hilfe der Ernährungsberatung. Noch während des Spitalaufenthaltes muss der Patient lernen, dass er viele kleine Mahlzeiten pro Tag essen muss und dass diese aus bestimmten Nahrungsmitteln zu­sam­men­­gesetzt sein sollten. Ist das Reservoir nach drei bis sechs Monaten ver­grös­­sert, kann auch oft wieder ganz normale Nahrung gegessen werden. Jeder Patient muss alle sechs Monate eine Ampulle mit Vitamin B12 intravenös ge­­spritzt bekommen, da die Aufnahme dieses Vitamins zur Blutbildung an den so genannten "Intrinsic Factor der Magenschleimhaut" gebunden ist. Fehlt die­ser Faktor durch die Entfernung des Magens, so besteht die Gefahr, dass sich eine Blutarmut entwickeln kann. Musste bei der Operation die Milz entfernt werden, so hat der Patient nach­fol­gend ein leicht erhöhtes Thromboserisiko, das durch die tägliche Einnahme von Aspirin 100 gemindert werden kann. Zudem muss er sich gegen Pneu­mo­kok­­keninfektionen impfen lassen, da man heute weiss, dass Patienten nach einer Milzentfernung einem erhöhten Infektionsrisiko mit bekapselten Bak­te­rien ausgesetzt sind. Bei einem Karzinom erfolgen die weiteren Kontrollen in Zu­­sammenarbeit mit einem Onkologen.
 
 
 

Historisches

In vielen Redewendungen und Sprichwörtern des Alltages scheint der Magen ein wichtiges Organ zu sein: "Das schlägt mir auf den Magen, das liegt mir schwer im Magen, da dreht sich mir der Magen um". Jeder von uns kennt Le­bens­­situationen, die unangenehme Gefühle in der Magengegend verursachen kön­­nen. Nicht zuletzt wissen wir, dass der Konsum von Zigaretten, Kaffee, Fett und zahlreichen Medikamenten, gepaart mit ausreichend Stress, zu Sod­bren­­nen oder einem Magengeschwür führen können. Dieses Wissen hatten Me­­diziner bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, jedoch waren die Mög­lich­kei­ten der Therapie sehr beschränkt: Die Patienten mussten Bett­ru­he ein­hal­ten und bekamen reizarme Kost. Später machte man die Ma­gen­säu­re für die Ent­stehung von Geschwüren verantwortlich. Die ersten Me­di­ka­men­te zur Säu­re­blockade wurden entwickelt und als Standardtherapie ein­ge­setzt. Er­staun­li­cher­weise blieb aber die Rate von wiederauftretenden Ge­schwü­ren un­ver­än­dert. Erst 1982 brachten die Mediziner Robin Warren und Barry Marshall das Bak­terium Helicobacter pylori mit der Entstehung von Ma­gen­geschwüren in Ver­bindung. Seit 1996 wird das Bakterium durch die Gabe von drei Me­di­ka­men­ten aus der Magenschleimhaut entfernt, wobei zwei ver­schie­dene An­ti­bio­ti­ka und ein Säurehemmer dem Patienten verabreicht wer­den. Inzwischen gilt es als wissenschaftlich gesichert, dass Helicobacter pylori mass­geblich an der Ent­stehung von Magengeschwüren und Schleim­haut­ent­zün­dungen beteiligt ist. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass die Anwesenheit des Bakteriums das Ri­siko für die Entstehung eines Magenkarzinoms erhöht. Die chirurgischen Ope­rationsverfahren, die bei Blutungskomplikationen von Ge­schwüren oder Kar­zinomen notwendig werden, wurden 1874 in Wien von einem der be­deu­tends­ten Chirurgen des 19. Jahrhunderts, Theodor Bil­lroth, erstmals ent­wi­ckelt und durchgeführt. Die Voraussetzungen dafür wa­ren gut. Er übernahm von Joseph Lister die Methoden der Sterilisation und An­ti­sepsis. Die Nar­ko­se­ver­fahren mit Alkohol, Chloroform und Äther hatten be­reits ihren festen Platz im Operationssaal. Billroth war der Begründer der Ma­gen-Darm-Chirurgie und je­ner neuen Operationstechniken, die bis heute zu den Standardeingriffen des Bauch­chirurgen gehören. Theodor Billroths in­no­va­tive Verfahren und Tech­ni­ken der Magenteilentfernung sowie der End-zu-End-Vereinigung mit dem Dünn­darm eröffneten damals völlig neue chi­rur­gi­sche Operationsgebiete und Hei­lungschancen für die Patienten. Ein bekannter Zeit­genosse Billroths, Theo­dor Storm, konnte leider von diesen Fortschritten nicht mehr profitieren: Die Ar­beiten zu seiner berühmten Novelle "Der Schim­mel­reiter" wurden von sei­ner Erkrankung mit Magenkrebs überschattet. Er schrieb um 1885 folgendes Ge­dicht:
 

 
 
 
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Patienteninformation

 

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