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Schilddrüse

Wo liegt die Schilddrüse?

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingförmiges Organ und liegt unterhalb des Kehl­­kopfes, direkt vor der Luftröhre. Man unterscheidet bei diesem nur etwa 20 Gramm schweren Organ einen linken und einen rechten Lappen sowie ein mitt­­leres Verbindungsstück, das auch "Isthmus" genannt wird. Das Schild­drü­sen­­gewebe wird jeweils im Bereich des linken und rechten Lappens durch Blut­­gefässe aus den grossen Halsarterien versorgt, die am Oberpol, in der Mit­­te der Drüse und am Unterpol in das Gewebe münden. In sehr enger Nach­bar­­schaft zu jedem Lappen verläuft auf beiden Seiten je ein wichtiger Nerv, der "Nervus laryngeus recurrens", der die inneren Kehlkopfmuskeln innerviert und für die Stimmbildung beim Sprechen ausschlaggebend ist. Er verläuft beid­­seits hinter den Schilddrüsenlappen und ist im Verlauf oft sehr schwierig zu finden. Im Bereich der Schilddrüsenkapsel und ganz in der Nähe der zuvor be­­schriebenen Nerven finden sich noch vier so genannte Epithelkörperchen oder Nebenschilddrüsen, die für die Regulierung des Kalziumstoffwechsels zu­stän­­dig sind und ganz eng am Schilddrüsengewebe liegen.  
 
 
 

Wie funktioniert die Schilddrüse?

Im Schilddrüsengewebe werden zwei verschiedene Arten von Schild­drü­sen­hor­­monen hergestellt, die eine wichtige Rolle in der Regulation der Stoff­wech­sel­­vorgänge im Körper spielen: Das Thyroxin (T4) und das Triiodthyronin (T3). Sie wirken auf viele Körperzellen und beeinflussen den Ener­gie­stoff­wech­­sel des Menschen. Damit diese Hormone in genügender Menge von den Zel­­len der Schilddrüse hergestellt werden können, bedarf es einer aus­rei­chen­den Menge an Jod, das zuvor über die Nahrung in den Körper gelangen muss. In der Schilddrüsenzelle ist das Hormon an ein Eiweiss gebunden, von dem es wie­­der abgespalten wird, sobald es bei Bedarf ins Blut abgegeben wird. Dort bin­­den sich T3 und T4 jeweils wieder an spezielle Transporteiweisse, um an ihren Zielort gelangen zu können. Der Schilddrüsenhormonbedarf wird über einen komplizierten Regelkreis im Körper gesteuert, zu dem auch ein Bereich des Zwischenhirns (Hypothalamus) und die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ge­­hören. Verringert sich im Körper die Menge an Schilddrüsenhormonen bis un­terhalb eines kritischen Wertes, werden zuerst im Zwischenhirn und an­schlies­send in der Hirnanhangsdrüse Botenstoffe ausgeschüttet, welche die Schild­drüse zur Ausschüttung von T3 und T4 bringen. Steigt jedoch die Menge an Schild­drü­senhormonen im Blut, wird die Ausschüttung der Botenstoffe im Ge­hirn un­terdrückt.  
 
 
 

Die häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse

Kommt es aufgrund einer ungenügenden Jodversorgung in der Nahrung (häu­fig in Gebirgsgegenden und in Binnenländern) zu einer mangelnden Pro­duk­tion von Schilddrüsenhormonen im Körper, wird dem Zwischenhirn über den zu­­vor beschriebenen Regelkreis signalisiert, dass die Schilddrüse mehr Hor­mo­ne ausschütten sollte. Dazu sendet das Zwischenhirn den Botenstoff aus, der die Schilddrüse zur Hormonproduktion anregen soll. Die vermehrte Aus­schüt­­tung dieses Botenstoffes führt aber auch dazu, dass das Schild­drü­sen­ge­we­­be zu wachsen beginnt. Bleibt dieser Jodmangelzustand über Jahre er­hal­ten, vermehrt sich zunächst das Schilddrüsengewebe, und das Volumen der Drü­­se nimmt zu. Es verändert aber auch die Gewebsstruktur: Es können sich Zys­­ten, Knoten und Verkalkungen bilden. Die vergrösserte Schilddrüse wird von den Ärzten "Struma" genannt. Sie ist eine der am häufigsten an­zu­tref­fen­den Schilddrüsenerkrankungen. Der Volksmund nennt diese Veränderung einen Kropf. Eine weitere Erkrankung der Schilddrüse ist eine immunogene Schild­drüsen­über­­funktion, auch "Morbus Basedow" genannt. Bei dieser Erkrankung kommt es aufgrund von stimulierenden Antikörpern zu einer andauernden Über­pro­duk­­tion der Schilddrüsenhormone, was zu einer so genannten "Überfunktion" der Schilddrüse führt und mit bestimmten körperlichen Symptomen ein­her­geht. Bei diesen Patienten kann die Erkrankung zu einem Anschwellen des Bin­­degewebes hinter dem Auge führen ("endokrine Orbitopathie"), was manch­­mal über Jahre zu einem so genannten Glotzauge führen kann. Diese her­­vorstehenden Augen können auch die Sehkraft des Patienten gefährden. Kar­­zinome der Schilddrüse sind selten, sollen aber der Vollständigkeit halber eben­­falls kurz erwähnt werden.  
 
 
 

Wie erkenne ich eine Schilddrüsenerkrankung?

Eine Schilddrüsenerkrankung kann sehr lange unentdeckt bleiben, da die Symp­­tome häufig sehr unspezifisch sind. Die Anzeichen werden vor allem durch zu viel oder zu wenig vorhandene Schilddrüsenhormone im Körper her­vor­­gerufen oder hängen mit der Grössenzunahme des Organs zusammen. Bei einer Überfunktion der Schilddrüse beschreiben Patienten eine erhöhte Schweiss­­neigung und Schweissausbrüche, Herzrhythmusstörungen, Unruhe, Ge­­wichtsabnahme und Haarausfall. Patienten mit zu wenigen Schild­drü­sen­hor­­monen, also einer Unterfunktion, schildern, dass sie stets frieren, unter Ver­­stopfung leiden, depressiv verstimmt und eher müde sind. Nimmt wie bei einer Jodmangelstruma die Grösse des Organs zu, berichten viele Patienten von einem Druckgefühl im Hals. In seltenen Fällen kann das Strumagewebe so­­gar die Luftröhre einengen und das Gefühl von Luftnot verursachen.  
 
 
 

Notwendige Abklärungen und diagnostische Möglichkeiten

Häufig wird eine Erkrankung der Schilddrüse als Nebenbefund während einer Rou­­tineuntersuchung festgestellt. Bei Verdacht auf eine Schild­drü­sen­er­kran­kung muss der zuständige Facharzt zunächst eine sorgfältige Befragung der Pa­­tienten durchführen und nach speziellen Symptomen einer eventuellen Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse suchen. Danach folgt die manuelle Un­­tersuchung der Schilddrüse: Der Arzt steht hinter dem Patienten und tastet mit beiden Händen nach der Grösse und der Beschaffenheit des Gewebes. Gleich­­zeitig muss der Patient einmal schlucken, damit man die "Schluck­ver­schieb­­lichkeit" der Schilddrüse vor der Luftröhre beurteilen kann. Zudem wer­den diverse Parameter aus dem Blut des Patienten bestimmt: Der TSH Wert, der über den Regelkreis zwischen Zwischenhirn und Hirnanhangsdrüse Aus­kunft gibt, sowie T3 und T4, die zeigen, wie der Körper mit Schilddrüsen­hor­mo­­nen versorgt ist. Gibt es einen Hinweis auf eine immunogene Schild­drü­sen­er­­krankung oder auf eine bösartige Krankheit, werden weitere Faktoren be­stimmt. Zu jeder Abklärung gehört eine Ultraschalluntersuchung der Schild­drü­­se. Hier kann man die Gewebsstruktur genauer beurteilen und klare Zu­satz­­informationen zur Festlegung der Krankheit erhalten. Zeigen sich im Ul­tra­­schall oder im Labor bestimmte Veränderungen, ist eventuell eine nu­klear­me­­dizinische Untersuchung der Schilddrüse (Szintigraphie) angezeigt. Hierbei kön­­nen nach einer Injektion von Technetium so genannte "kalte" oder "war­me" Knoten im Schilddrüsengewebe dargestellt werden. Zeigt der Lokalbefund eine grossvolumige Struma, kann es notwendig sein, ein Röntgenbild der Hals­­weichteile anzufertigen, um eine Einengung der Luftröhre vor der Ope­ra­tion auszuschliessen.  
 
 
 

Wie kann eine Schilddrüsenerkrankung behandelt werden?

Eine Jodmangelstruma kann zunächst medikamentös behandelt werden, in­dem der Patient Schilddrüsenhormone einnimmt und/oder noch zusätzlich dem Körper Jodid zuführt. Damit wird der Regelkreis unterbrochen, der an­sons­­ten dem Zwischenhirn einen anhaltenden Hormonmangel signalisiert. Ist es im Rahmen dieser Erkrankung schon zu einer Knoten- und Zystenbildung im Schilddrüsengewebe gekommen, kann durch die Einnahme dieser Me­di­ka­men­­te nur das Schilddrüsenwachstum gehemmt werden. Grossvolumige Stru­men oder auch solche, die wachsende Knoten aufweisen, wird man operativ ver­­kleinern. Eine immunogene Schilddrüsenerkrankung kann zunächst mit einem "Hormonblocker" behandelt werden, da hier die Schilddrüse zu viel Hor­­mon produziert. Eine andere Therapiemöglichkeit besteht in einer so ge­nann­­ten Radiojodtherapie: Hierbei wird radioaktives 131Jod in die Schilddrüse ge­­bracht, wodurch die Zellen der Schilddrüse zerstört werden. Kommt es bei der im­munogenen Schilddrüsenerkrankung trotz der medikamentösen The­ra­pie zu einem Rückfall, kann eine Operation angezeigt sein. Das Schilddrüsenkarzinom wird auf jeden Fall durch eine radikale operative Ent­­fernung des gesamten Schilddrüsengewebes und der dazugehörigen Lymph­­knoten behandelt. Nachfolgend sollen die grundlegenden Schritte einer ope­­rativen Schilddrüsenentfernung beschrieben werden. Der Patient wird auf dem Operationstisch auf dem Rücken mit stark nach hin­ten überstrecktem Kopf gelagert. Im Bereich des vorderen Halsansatzes, an der Stelle, an welcher sich das linke und rechte Schlüsselbein mittig fast be­rüh­­ren, erfolgt circa einen Querfinger in Richtung Kinn die Hautinzision (Ko­cher-Kragenschnitt). Danach werden das darunter liegende Bindegewebe und der flache Halsmuskel durchtrennt. Die dort längsverlaufenden Halsvenen wer­­den ebenfalls durchtrennt. Die geraden Halsmuskeln werden mit einem Ha­­ken zur Seite gehalten. Der Operateur wendet sich nun zunächst einem Lap­­pen der Schilddrüse zu. Je nach Erkrankung und Befund kann ein Schild­drü­­senlappen entfernt werden, eventuell auch beide. Vorsichtig wird das über der Schilddrüsenkapsel liegende Bindegewebe abpräpariert. Der Operateur muss während der ganzen Operation immer ganz nahe am Gewebe und in­ner­halb der Schilddrüsenkapsel präparieren, um auf keinen Fall den Recurrens-Ner­­v zu verletzen, der die Stimmbänder innerviert. Mit einem speziellen In­stru­­ment wird die Gewebebrücke (Isthmus) zwischen dem linken und dem rech­­ten Schilddrüsenlappen unterfahren und durchtrennt. Jetzt wird der Schild­­drüsenlappen, der entfernt werden soll, vorsichtig von seinem Bin­de­ge­we­­be auf der Rückseite des Lappens befreit. Die von oben in den Lappen füh­ren­­den Blutgefässe werden dargestellt und unterbunden. Im nächsten Schritt wer­­den die unteren Polgefässe des Lappens dargestellt und unterbunden. Hat man den Nerv und die Epithelkörperchen eindeutig identifiziert und ge­schont, kann das kranke Schilddrüsengewebe nun ganz oder mehrheitlich ent­fernt werden. Anschliessend wird durch die Haut eine dünne Drainage gelegt, um das Wundsekret sowie das Restblut abzuleiten. Der Hautmuskellappen wird mit einer Naht verschlossen, so dass später nur noch eine strichförmige Nar­­be zu sehen sein wird.  
 
 
 

Was geschieht nach der Behandlung?

Nach der Operation kontrolliert der Operateur engmaschig, ob es zu einer Nach­­blutung im Operationsgebiet kommt. Sobald der Patient wach und an­sprech­­bar ist, wird durch eine Sprechprobe zunächst grob getestet, ob der Pa­tient heiser ist. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kontrolliert später in einer Stimm­band­­spiegelung zusätzlich, ob sich die Stimmbänder seitengleich bewegen. Die Schädigung des Nervs ist mit drei bis vier Prozent die häufigste Kom­pli­ka­tion einer Schilddrüsenoperation. Weiterhin werden nach der Operation der Kal­­ziumspiegel (Epithelkörperchen) und je nach Erkrankung zu­dem die Schild­drü­senwerte kontrolliert. Vor allem bei der immunogenen Schild­drü­sen­er­kran­kung sind engmaschige Kontrollen wichtig, da diese Patienten zuvor an einer Über­funktion der Schilddrüse litten. In der Regel müssen die Schild­drü­sen­hor­mo­ne oder auch Jod später als Tabletten vom Patienten ein­ge­nom­men wer­den. Die Drainagen werden 24 bis 48 Stunden nach der Operation ent­fernt. Die Hautnaht wird in der Regel mit resorbierbaren Fäden gemacht, so dass die­se nicht entfernt werden müssen.  
 
 
 

Was muss im zukünftigen Alltag beachtet werden?

Je nach Erkrankung müssen die Patienten nach der Operation dauerhaft Me­di­ka­­mente einnehmen, sei es in Form von Jod oder Schilddrüsenhormonen. Si­cher­­lich ist es notwendig, insbesondere bei immunogenen Schild­drü­sen­er­kran­­kungen, spezielle Blutwerte und das Bindegewebe des Augen­hinter­grun­des zu überwachen, aber auch zu kontrollieren, ob es kein erneutes Wachs­tum von Gewebe im Bereich der zuvor entfernten Schilddrüse gibt.
 
 
 

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