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Principle eins

 

 Leitgedanken

"Als Meisterkoch stelle ich höchste Ansprüche: an meine Küche, an meine Menus, an meine Weine. Im Mittelpunkt meiner Kochkunst steht mein Gast. An meinen Chirurgen stelle ich die gleichen hohen Ansprüche: an Wissen, an Können, vor allem aber an ein tiefes persönliches Verständnis für mich und meine Krankheit. Er hat meine Erwartungen erfüllt. Ich würde mich in keine anderen Hände begeben. Er hat mein Leben zum besseren verändert."

Jacky Donatz,
Meisterkoch,
Restaurant Sonnenberg, Zürich

Als Chirurg bin ich Arzt. Als solcher operiere ich nicht einfach einen Leistenbruch oder etwas Bedrohlicheres. Ich operiere immer einen Menschen. Menschen sind einzigartig. Sie sind eingebunden in Familien, deren Angehörige sie lieb haben.

Familien, ihr Zusammenleben und Zusammenspiel verschiedener Mitglieder, die verschiedenen Kulturen der Welt, soziale Unterschiede, berufliche Prägung, Verständnis für medizinische Zusammenhänge, oder Unverständnis gegenüber dem Arzt - wie verschieden, unterschiedlich und faszinierend sind doch die Persönlichkeiten, mit denen wir Ärzte es täglich zu tun haben. Wir müssen auf ganz unterschiedliche Lebenssituationen eingehen: Junge Leute, die ein ganzes Leben vor sich haben und an bösartigen Tumoren leiden, reagieren anders auf einen grossen Eingriff als ältere Menschen, die einen grossen Teil ihres Lebens bereits hinter sich und oftmals mit dem Leben auch abgeschlossen haben.

Jedem Menschen gerecht zu werden, ihn zu verstehen und zu erfassen mit all seinen Ängsten, Sorgen und Hoffnungen - wie anspruchsvoll ist doch die chirurgische Aufgabe. Wie schwierig ist es zu verstehen, dass es auch Menschen gibt, die unser Können, unsere Kunst ablehnen und eine Operation nicht durchführen lassen.

Wissenschaftliches Wissen, technisches Können, angepasste Indikationen: Alles ist wichtig; ohne diese Künste gibt es keine ärztliche Tätigkeit. Aber alles verblasst neben dem Versuch, das Gegenüber zu verstehen. Nicht nur als leidenden, hilfesuchenden Patienten, sondern den vollwertigen, ganzen Menschen mit all seinen Rechten und seiner Integrität als Patient zu begreifen, ist wichtig. Der Arzt muss dem Patienten nicht nur gegenüber sitzen; er muss ihm zur Seite stehen. Dazu kommt die ärztliche Verpflichtung, nicht die eigenen Wertsysteme auf den Ratsuchenden zu übertragen ("Was würden Sie für Ihre Frau in meiner Situation entscheiden?"). Ganz und gar verpönt ist es in der heutigen Zeit, eine gewisse ärztliche Macht, die sich auf ein zusätzliches Wissen stützt, gegenüber dem Patienten auszuspielen und den Patienten nicht frei seine Entscheidungen treffen zu lassen, sondern zu versuchen, den eigenen Willen und das eigene Wertsystem auf den Patienten zu übertragen. Diese Faktoren werden vor allem bei bösartigen Krankheiten plötzlich wichtiger als der Rest der ärztlichen Kunst. Die Fragen nach dem Warum: "Warum trifft es mich? Warum jetzt? Woher kommt die Krankheit?" weichen sehr schnell den noch viel brennenderen Fragen, die uns letztlich alle zutiefst angehen: "Wie lange kann ich leben? Wie werde ich sterben und wohin geht dann mein Weg?" Die Fragen nach dem Sinn des Lebens, dem Sinn unseres Geborenwerdens und Sterbens werden plötzlich wichtiger als alles andere. Gefordert ist bei diesen unheimlichen Fragen nicht der Wissenschafter, der Techniker, der gute Chirurg mit klarer Indikation; gefragt ist der humanistisch ausgebildete, ganzheitlich denkende und fühlende Arzt, in seiner ureigensten Funktion. In diesen Umständen suchen Menschen den Heiler, den Schamanen, und stellen Fragen aus dem Gebiet des Transzendenten. Hier ist die Anforderung an den Chirurgen und Arzt fast übergross. Schwierig werden die Themen; sie berühren die ureigensten, dunkelsten Ängste.

In dieser Situation diskrete, einfühlsame Antworten zu geben, Hoffnungen zu erahnen und zu nähren, kommt die letztlich wichtigste Kunst des Arztes und Chirurgen und die echte Humanistik zum Tragen.

Deshalb ist es auch heute noch so, dass der Arztberuf eine echte Berufung sein sollte. In meinen zwanzig Jahren als aktiver Chirurg, in denen ich über 5000 Patienten bauchchirurgisch operiert und noch viele mehr beraten und behandelt habe, versuche ich heute meine Tätigkeit zu reflektieren und sie auf eine Basis allgemeingültiger Prinzipien (Principles) zu stellen. Diese Principles habe ich im Verlauf meiner beruflichen Tätigkeit bei der Arbeit mit meinen chirurgischen Lehrern kennen gelernt und selber weiterentwickelt. Sie sind das Konzentrat meiner Lebens- und Berufserfahrung. Sie leiten meine Tätigkeit und mein Verständnis für Menschen, die sich mir als Patienten anvertrauen. Sie bilden das Fundament meiner Tätigkeit und sichern die optimale operative Behandlung verletzter, kranker oder sogar schwerkranker Patienten.

In meiner Praxis behandle ich sowohl Frauen als Männer. Ich begegne beiden Geschlechtern mit gleicher Achtung und Respekt, auch wenn ich im Text nur die männliche Sprachform verwende, um die Lesbarkeit zu vereinfachen.

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